Ein nicht immer sehr heiliges Experiment

14. März 2013, 18:34
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Die Jesuiten: größter und umstrittenster katholischer Orden mit Gehorsamsgelübde gegenüber dem Papst

Mit weltweit rund 18.000 Brüdern und Priestern ist der Jesuitenorden der zahlenmäßig größte der katholischen Kirche - und noch immer ihr umstrittenster. Davon zeugt auch die Bezeichnung Jesuiten selbst: Sie war ursprünglich ein Spottname, wurde später aber auch von den Ordensangehörigen übernommen. Für Kritiker ist das wiederum ein Beleg zweckorientierter jesuitischer Dialektik.

Die offizielle Ordensbezeichnung lautet Societas Jesu (Gesellschaft Jesu), Mitglieder tragen das Ordenskürzel SJ hinter ihrem Nachnamen. Im Unterschied zu anderen Orden haben die Jesuiten weder eigene Ordenskleidung noch ein gemeinsames Chorgebet.

Gegründet wurde die Societas Jesu am 15. August 1534 auf dem Montmartre in Paris von einem Freundeskreis um den baskischen Adeligen und ehemaligen Offizier Ignatius von Loyola. Mystische Erfahrungen nach einer Kriegsverwundung hatten Loyola auf diesen Weg gebracht.

Neben den drei üblichen Ordensgelübden - Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam - verpflichten sich die Jesuiten in einem vierten Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Als erster Jesuit auf dem Stuhl Petri ist Jorge Mario Bergoglio (Ordenschef in Argentinien 1973-1979 ) nun in doppelter Weise mit dem Orden verbunden und verfügt über eine weltweit vernetzte "Fußtruppe".

Ihr besonderes Verhältnis zum Papst hat den Jesuiten auch den Ruf einer verschworenen, oft intriganten und im Geheimen tätigen Gemeinschaft eingebracht. Historisch waren sie in Europa eine der Speerspitzen der katholischen Gegenreformation.

In Lateinamerika errichteten sie ab 1609 eine Art Jesuitenstaat auf dem Gebiet des heutigen Paraguay, Brasilien und Argentinien. Hunderttausende Angehörige der indigenen Bevölkerung lebten in Missionssiedlungen, den sogenannten Reduktionen. Die Jesuiten gingen auf ihre Lebensgewohnheiten ein und lernten ihre Sprache - sie versuchten nicht, wie andere Missionare, die tradierten Gewohnheiten auszurotten. Hier konnten die Ureinwohner in Sicherheit vor Ausbeutung leben. Doch die Spanier misstrauten den florierenden Siedlungen. 1767 wurden die Jesuiten aus Südamerika verbannt. Noch heute sind in der Region Misiones Ruinen zu sehen.

Der österreichische Dramatiker Fritz Hochwälder (1911-1986) stellt das Scheitern des Jesuitenstaates in seinem Stück Das heilige Experiment dar. (jk, DER STANDARD, 15.3.2013)

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