Red Bull wird erpresst: Dosen angeblich mit Fäkalkeimen verunreinigt

14. März 2013, 21:18
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Staatsanwaltschaft ermittelt, bisher aber keine Beanstandungen gemeldet

Fuschl - Der österreichische Getränkehersteller Red Bull ist laut eigenen Angaben zum Opfer von Erpressern geworden. Wie das Unternehmen am Donnerstagabend in einer Aussendung mitteilte, wurde damit gedroht, Dosen mit Fäkalkeimen zu verunreinigen, wenn eine bestimmte Geldsumme nicht gezahlt werde.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg ist nach einer Anzeige des dortigen Landeskriminalamts aktiv geworden und hat Anfang März Ermittlungen gegen unbekannte Täter wegen des Verdachts der versuchten Erpressung aufgenommen. Erhebungen der Behörden zufolge dürfte es sich um eine " bösartige Drohung" gehandelt haben. "Bisher geht es nur um eine behauptete Kontamination", erklärte der Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher, dazu.

Offenbar wurde damit gedroht, Getränkedosen beziehungsweise die Deckel von Dosen mit "Kloakenwasser" abzuwischen. Dadurch würden Konsumenten mit Krankheiten angesteckt, hieß es.

Ihre Geldforderungen sollen die Erpresser per E-Mail erhoben haben. Über die Höhe der verlangten Summe machten weder Staatsanwalt Neher noch der Getränkekonzern Angaben. In einem Fall soll die Geschäftsfiliale eines Lebensmittelhändlers in Wien von der Drohung betroffen gewesen sein.

"Wir kooperieren eng mit der Kriminalpolizei und sind gemeinsam der Meinung, dass wir den Tätern nahe sind und diese gefunden werden", hieß es in der Aussendung von Red Bull.

Dass nun die Öffentlichkeit über den Fall informiert wurde, begründete der Getränkehersteller mit Sitz in Fuschl damit, Spekulationen vorzubeugen und das "größte Druckmittel" der medialen Bekanntmachung gegenstandslos zu machen.

2012 wurden weltweit rund 5,3 Milliarden Dosen Red Bull verkauft, das bedeutet ein Plus von 12,8 Prozent gegenüber 2011. Das Unternehmen beschäftigte per Ende 2012 fast 9000 Mitarbeiter in 165 Ländern, hieß es vonseiten des Konzerns. (APA, 14.3.2013)


Chronologie

Die Lebensmittelbranche ist in den vergangenen Jahren immer wieder in das Visier von Erpressern geraten. Die Polizei und die Unternehmen verfolgendabei meist eine sehr restriktive Informationspolitik. Folgend eineÜbersicht über die bekannten Fälle mit österreichischer Beteiligung.

März 2013: Der österreichische Getränkehersteller Red Bull ist lauteigenen Angaben zum Opfer von Erpressern geworden. Wie das Unternehmenmitteilt, wurde damit gedroht, Dosen mit Fäkalkeimen zu verunreinigen, wenneine Geldsumme nicht gezahlt wird. Die Staatsanwaltschaft wirdeingeschaltet.

November 2012: Die thailändische Polizei nimmt im Badeort Pattaya einenÖsterreicher fest, der eine deutsche Supermarktkette um einen zweistelligenMillionenbetrag erpresst haben soll. Der 61-jährige Salzburger, der schonlänger in Thailand lebt, ist per internationalem Haftbefehl gesucht worden.Er soll gedroht haben, mit Botox vergiftete Lebensmittel in Filialen derKette zu hinterlegen und dann über Medien die Öffentlichkeit zuinformieren.

Oktober 2010: Die versuchte Erpressung des österreichischenSüßwarenherstellers Manner und des Feinkostunternehmens Wojnar sorgt fürAufsehen. Der Fall endet schließlich mit der Festnahme des 27-jährigenTäters. Der Deutsche hinterließ in mehreren Geschäften präparierteMozartkugeln und Thunfischaufstriche. Er forderte mehrere 100.000 Euro, diezum Teil ausgezahlt worden sind. Im Anschluss an eine Geldabhebung kann ihndie Tiroler Polizei auf der Autobahn stellen. Der Mann wird zu fünf Jahrenund zehn Monaten Haft verurteilt.

Oktober 1997: In Niederösterreich geht der Gendarmerie ein Erpresser insNetz, der eine Supermarkt-Kette um zehn Millionen Schilling (726.728 Euro)erleichtern wollte und mit der Vergiftung von Lebensmitteln gedroht hat.Als Motiv gibt der Arbeitslose hohe Schulden an.

Juli 1997: Zwei Steirer werden nach der versuchten Erpressung einesinternationalen Lebensmittelkonzerns gefasst. Die Männer haben nach Angabender Wiener Polizei mit der Vergiftung von Lebensmitteln in ganz Österreichgedroht und 25 Millionen Schilling (1,82 Mio. Euro) verlangt.

Mai 1997: "Ihre Firma wurde von uns für eine Geldbeschaffungsaktionausgesucht. Kurzum fordern wir von Ihnen den Betrag von 25 MillionenSchilling (1,82 Mio. Euro)", heißt es in einem Schreiben, das in der WienerMeinl-Zentrale eintrudelt. Gezeichnet ist die Botschaft "mit freundlichenGrüßen - die Organisation für Geldbeschaffung". In acht weiteren Briefenerhöhen die Erpresser ihre Forderung auf 100 Millionen Schilling (7,27 Mio.Euro), falls die Polizei Wind von der Sache bekommen sollte. BeiNichtzahlung drohen die Männer, Waren des Lebensmittel-Konzerns mitRattengift und Zyankali zu versetzen. Die Erpresser werden festgenommen.

Juli 1996: Ein 37-jähriger britischer Computerfachmann wird in Wien wegender versuchten Erpressung von Lebensmittelfirmen verhaftet, als er voneinem Konto Geld abheben will. Er soll insgesamt 250.000 Pfund (283.897Euro) von fünf Lebensmittelkonzernen verlangt haben. Andernfalls drohte er,ihre Produkte mit mikrobiologischen Organismen zu vergiften. (APA)

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