Starke Männer

Kolumne14. März 2013, 17:28
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Strache wirkt derzeit nicht wie ein Führer, sondern eher wie ein vor sich hinwelkendes Kornblümchen

 Die Gespanntheit zwischen der Sehnsucht nach einem starken Mann, der hinwegnimmt die Sünden der Demokratie, und dem Bedürfnis der Basis, in Dingen, die sie betreffen, auch einmal zu Wort kommen zu dürfen, zehrte in den vergangenen Tagen an den Nerven im Vatikan und in Österreich. An der Startrampe zur Seligkeit hat man das Problem in einem Tempo gelöst, von dem man auf der Insel der Seligen nur träumen kann. Keine Kunst, wenn dort der Hl. Geist dahinter ist, dessen Walten hier leider kaum Spuren hinterlässt. Dann kann es einreißen, dass nur sechs von zehn Österreichern von einem "starken Mann" geführt werden wollen, eine Quote, mit der man im Vatikan nur ungern das Auslangen finden dürfte.

Allerdings ist das Angebot, das zur Auswahl steht, im Kirchenstaat selbst dann größer, wenn man weise Selbstbeschränkung auf das Kardinalskollegium übt und irdische Heerscharen männlicher Katholiken erst gar nicht in Erwägung zieht, auf die das Berufsbild Papst vielleicht auch passen würde. Bedauerlich hingegen hierzulande, in welch kläglichem Gegensatz das Angebot an starken Männern zum Bedürfnis der Bevölkerung an starker Führung steht, und in welchem Gegensatz dieses Bedürfnis zu dem parallel geäußerten nach mehr basisdemokratischer Mitbestimmung steht. So heftig sich eine Mehrheit nach Unterwerfung unter einen eisernen Willen, gepaart mit dem stammtischgestützten Schrei nach mehr direkter Anhörung sehnt, so dürftig ist es um den nationalen Vorrat an Personen bestellt, die sich den Spagat zur Erlösung des Volkes von der rot-schwarzen Koalition zutrauen - gerade zwei. Und die machen einander Konkurrenz.

Welkes Kornblümchen

Dass sie schon demnächst an erster Stelle stehen wollen, haben beide wiederholt deponiert. Aber wie es aussieht, werden die großen Töchter, Söhne noch länger auf ihre Führung verzichten müssen. Strache wirkt wenige Monate vor den Wahlen nicht wie ein Führer, der wenigstens seine Partei im Griff hat, sondern eher wie ein im Herbarium der Geschichte vor sich hinwelkendes Kornblümchen. Und Stronach, der Fränk, müsste, um Erster zu werden, nachdem er im Herbst vielleicht Vierter wird, mit seinem Team erst einmal die Durststrecke einer fünfjährigen Legislaturperiode durchstehen, und dabei die Wähler so überzeugen, wie er bisher außerhalb seines Teams niemanden überzeugt hat.

Dabei könnte dieser aus alter und neuer Welt gemixte Franciscus sogar als papabile gelten: hätte das nötige Alter, quatscht permanent ex cathedra und könnte mit seinem Selbstverständnis als Weltökonom die Vatikanbank mit links sanieren, in sicherer Erwartung eines himmlischen Bonus. Sein Team frisst ihm aus der Hand - dagegen waren die zwölf Apostel aufmüpfig. Und was Petrus an Wundern vollbrachte, vollbringt ein Köfer, der zwar nur die SPÖ verleugnet, mit seinen Händen wie Starterkabel noch lange, sogar an Pferden.

Kein Wunder, wenn Strache angesichts einer derartigen spirituellen Übermacht die Nerven flattern. Aber eigentlich grundlos, denn solange er Barbara Rosenkranz und Martin Graf um sich hat, muss er sich um seine Führungsrolle keine Sorgen machen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 15.3.2013)

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