Ex-Ministerin Kdolsky: "Minister an die Wand nageln"

14. März 2013, 22:30
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Die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky ortet Verkrustung und Stillstand

Wien - Andrea Kdolsky gibt gern die Revoluzzerin - und verschont dabei auch keine Heiligtümer der eigenen Partei. Der Föderalismus sei in manchen Bereichen wichtig, sagt die ehemalige Gesundheitsministerin der ÖVP, "aber in der Bildung und der Gesundheit hat er nichts verloren".

Die Ärztin und Wirtschaftsberaterin lobt die angelaufene Gesundheitsreform deshalb als Fortschritt - und reklamiert trotz kurzer Amtszeit von Anfang 2007 bis Ende 2008 einen Anteil für sich: "Minister Alois Stöger hat sehr ordentlich und ruhig abgearbeitet, was ich populistisch in Szene gesetzt habe." Ungeachtet "weißer Flecken" in der Reform hofft Kdolsky, dass künftig stärker die Patienten denn "die Pfründen" der "Stakeholder" im Fokus stünden.

Kdolsky meint damit Länder und Krankenkassen: Erstere sind für die Spitäler zuständig, Letztere für die niedergelassenen Ärzte. Die Akteure scheuten Transparenz und warteten nur darauf, kompetenzlose Minister "an die Wand zu nageln". Obwohl es nun eine gemeinsame Planung geben soll, bräuchte Stöger mehr Macht, um letztlich nicht auf Granit zu beißen, wie sie das als "politisch Ungeschulte" getan habe.

Die "verkrustete Verwaltungsstruktur" hält Kdolsky für einen Hemmschuh - das Verhältniswahlrecht, das stets die große Koalition produziere, für einen anderen: "Der kleinste gemeinsame Nenner zweier Parteien, die ideologisch in andere Richtungen wollen, bedeutet Stillstand."

Die Politik vermisst die 50-Jährige, die mit undiplomatischen bis schrillen Auftritten aneckte, nicht. Gott und die Welt umgarnen zu müssen sei ihr nie gelegen, sagt sie: "Ich bin Managerin, die diskutiert, aber dann entscheidet. Ich war die richtige Person am falschen Ort."(jo, DER STANDARD, 15.3.2013)

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