Wiens Sportstadtrat: "Das Wasser ist ein Hund"

Interview14. März 2013, 18:30
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Wiens Sportstadtrat Christian Oxonitsch lüftet das Geheimnis um die Standorte der neuen Sportzentren: Sie sollen beim Stadionbad und im Prater errichtet werden, sagte er am Rande der SP-Klubklausur in Rust

STANDARD: Warum, glauben Sie, haben die Wiener Olympia so deutlich abgelehnt? Hat sie etwa die Euro 2008 abgeschreckt?

Oxonitsch: Ich glaube nicht, dass das mit der Euro zusammenhängt. Es gibt immer eine gewisse Skepsis gegenüber Großveranstaltungen, die Deutlichkeit hat mich zugegebenermaßen überrascht. Dass diese Frage spaltet, war ja der Grund, warum wir sie bei der Volksbefragung thematisiert haben.

STANDARD: Hätte man den Wienern eine konkretere Entscheidungsgrundlage geben sollen, etwa indem man sagt, wir suchen uns eine Partnerstadt im Ausland?

Oxonitsch: Das Problem ist, dass das Olympische Komitee keine grenzübergreifenden Spiele macht. Aus heutiger Sicht gibt es diese Option nicht. Möglicherweise wäre es im Zuge der Bewerbung gelungen, das IOC davon zu überzeugen. Zur Frage der Information: Ich wollte in Wien keine Diskussion darüber haben, dass wir vier oder fünf Millionen Euro für eine Kampagne ausgeben, das wäre wahrscheinlich auch mit unserem Transparenzgesetz nicht gegangen.

Deshalb haben wir die Information bewusst neutral gehalten. Vielleicht denkt ja auch das IOC über dieses Votum nach und sagt, wir müssen uns in Richtung Internationalität oder in Bezug auf die Dimensionen neu orientieren, sonst gibt es irgendwann nur noch dort Olympische Spiele, wo man große Sportstätten in die Wüste oder in die Pampa bauen kann, wo es totalitäre Regierungen oder Oligarchen gibt.

STANDARD: Trotz des Neins zu Olympia soll es zwei neue Sportzentren geben. Wo werden die sein?

Oxonitsch: Wir haben die Machbarkeitsstudie für das Schwimmsportzentrum schon abgeschlossen, die priorisiert eindeutig die Mittel-Variante beim Stadionbad, die beinhaltet sechs Schwimm-Bahnen. Dieses Ziel verfolgen wir jetzt. Wir können das nur gemeinsam mit dem Bund errichten, unser Anteil soll etwa sechs Millionen Euro betragen. Es gab schon recht positive Gespräche mit dem Ministerium, aber jetzt müssen wir dem neuen Sportminister etwas Zeit geben.

STANDARD: Und das Leichtathletikzentrum?

Oxonitsch: Das wäre im Prater gut aufgehoben. Wir haben dort ja schon riesige Sportanlagen. Eine davon werden wir zu einem vollwertigen Leichtathletikzentrum aufrüsten. Da geht es eigentlich nur um die Verbesserung der Laufbahn und die Erneuerung der Garderoben. Das werden wir sicher in den nächsten 20 Monaten umsetzen.

STANDARD: In Sportlerkreisen geht das Gerücht, dass das Stadthallenbad dicht sein soll. Stimmt das?

Oxonitsch: Nein, es ist nicht dicht, weil ja die Arbeiten noch nicht fortgesetzt werden können, so lange wir die entsprechenden Gutachten nicht haben. Es gibt aber keinerlei Alarmsignale, dass das Stadthallenbad nicht saniert werden kann oder gar abgerissen werden muss. Die Sanierung wird in einem überschaubaren Zeitraum möglich sein.

STANDARD: Das heißt, 2014 könnte das Stadthallenbad wieder aufsperren?

Oxonitsch: Dazu will ich derzeit nichts sagen. Erst ab dem Zeitpunkt, wo man weiß, warum es Mängel gibt, werden wir einen Ablaufplan mit einer Firma machen. Vorher kann ich mich nicht an Prognosen wagen. Ich kann die Fliesen ja nicht selber draufkleben.

STANDARD: Wie wird es rund um das Stadthallenbad juristisch weitergehen?

Oxonitsch: Es läuft die Beweissicherung. Einzelne Firmen sind sehr kooperativ, mit anderen wird die Stadthalle vor Gericht streiten müssen. Das ist alles unangenehm, aber es ist kein großer Wahnsinn. Es gab Pfusch, das kann immer passieren. Die Verantwortung werden möglicherweise die Gerichte klären müssen.

STANDARD: Sehen Sie eine Chance, im ursprünglich beschlossenen Budgetrahmen zu bleiben?

Oxonitsch: Das ist wie mit dem Zeithorizont: So lange man nicht weiß, mit welchen Firmen es Einigungen gibt, ist alles reine Spekulation.

STANDARD: Ihre Vorgängerin Grete Laska ist über einen Bauskandal, den Pratervorplatz, gestolpert. Könnte es bei Ihnen ähnlich sein?

Oxonitsch: Nein. Wenn man etwas in Auftrag gibt, setzt man alles daran, dass man es ordnungsgemäß übernimmt, das kann länger dauern. Das ist international bei einigen Bädern so. Ein Bestandteil bei Badsanierungen ist, dass sie undicht sind. Das Wasser ist ein Hund. Außerdem ist es ein denkmalgeschütztes Bad, die Architektur ist eine besondere Herausforderung. Daher kommt die Unkalkulierbarkeit. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 15.3.2013)

Christian Oxonitsch (52) kommt aus Ottakring und ist seit 2009 Stadtrat für Bildung, Jugend und Sport.

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    Stadtrat Oxonitsch über die geplanten zwei neuen Wiener Sportzentren: "Es gab schon recht positive Gespräche mit dem Ministerium, aber jetzt müssen wir dem neuen Sportminister etwas Zeit geben."

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