Geblättert, nicht gewischt

14. März 2013, 17:13
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Gelächter über E-Books bei der Leipziger Buchmesse

Als im Pressezentrum der Anteil des E-Books am Gesamtumsatz der Branche vermeldet wurde, gab es Gelächter. Der Grund: Zwar hat sich der Anteil des lange als Gottseibeiuns der Gutenberggalaxis gefürchteten Elektrobuchs von 2011 auf 2012 abermals verdoppelt, indes nur von ein auf zwei Prozent. Es wird also weiter geblättert. Anders als in den USA, wo 30 Prozent der Bücher in elektronischer Form verkauft werden, sind in Deutschland und Österreich E-Books durch die Buchpreisbindung nur unwesentlich billiger als Gedrucktes.

Doch es gibt einen Online-Händler, der kritisiert wird, die Buchpreisbindung zu umgehen, indem er von Verlagen 50 Prozent Rabatt verlangt. Zuletzt ist dieser Händler weiter ins Gerede gekommen, da sein deutsches Logistikzentrum, wie der Independent schrieb, "Neonazi-Wachen" nutzt, um "Immigranten-Arbeiter" unter Kontrolle zu halten. Wieder einmal hat die New Economy zu Arbeitsbedingungen einer "very old economy" geführt. "Get big fast", formulierte Amazon-Gründer Jeff Bezos einst seine Philosophie. Und erst 15 Jahre ist es her, dass Bertelsmann den in den USA bescheiden expandierenden Bezos nach Gütersloh einflog. Man gedachte, sich mit 50 Prozent an seinem Unternehmen zu beteiligen. Bezos kam in Bermudashorts. Man nahm ihn nicht ernst und gab die Losung "Wir brauchen keine Partner" aus. Ein Irrtum, wie man heute weiß. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 15.3.2013)

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