Pflegeroboter "Hobbit" soll Senioren Leben zuhause ermöglichen

14. März 2013, 14:25
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Roboter bewegt sich eigenständig durch die Räume und ist lernfähig - Kosten sollen 5.000 Euro nicht übersteigen

Die Gefahr eines Sturzes mit möglicherweise dramatischen gesundheitlichen Folgen erhöht sich mit fortschreitendem Alter stark. Die Angst vorm Stürzen führe in vielen Fällen dazu, dass ältere Menschen Pflegeeinrichtungen den eigenen vier Wänden vorziehen - obwohl sie noch durchaus zuhause leben könnten. Um dem entgegenzuwirken, haben heimische Forscher nun zwei Prototypen eines mobilen Pflegeroboters entwickelt, der einerseits Stürze erkennen und adäquat darauf reagieren soll und sich im Alltag nützlich macht. "Hobbit" wurde heute, Donnerstag, im Wiener "Haus der Barmherzigkeit" (HB) vor Journalisten präsentiert.

So lange wie möglich zuhause leben

Das Ziel müsse sein, dass ältere Menschen so lange wie möglich zuhause leben können, erklärte Projektinitiator Christoph Gisinger, Institutsdirektor am HB. Technologie könnte zum Schlüssel dafür werden, dass Senioren nicht mehr in Angst davor leben, zu stürzen und dann über längere Zeit nicht aufgefunden zu werden. Dabei handle es sich um eine begründete Befürchtung, da Stürze bei Personen, die älter als 65 sind, mittlerweile etwa 50 Prozent der Krankenhausaufnahmen ausmachen. Diese ziehen wiederum insgesamt sechs Prozent der Gesundheitskosten in Österreich nach sich, so der Mediziner.

Entscheidend sei vor allem, was nach einem Sturz passiert - das "Sturzmanagement". Die Wiener Forscher haben daher eine "mobile Roboterplattform" entwickelt, die sich frei in den Räumen bewegt, dabei Gesichter und fixe Hindernisse erkennt und mit der man sprachlich, mit Gesten oder über einen Touchscreen in Interaktion treten kann. Gerade die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sollen die Akzeptanz bei den Nutzern erhöhen. Es nütze nichts, wenn das Gerät nur dann in Erscheinung tritt, wenn der Sonderfall eines Unfalls eintritt. Es müsse "eine Bindung zu dem Roboter" im Alltag entstehen, wie Gisinger erklärte.

Sturzmanagement

Mit Hilfe von Kameras, Sensoren und seinem Greifarm soll der federführend von der Technischen Universität (TU) Wien entwickelte "Hobbit" seine primäre Aufgabe, nämlich das Sturzmanagement, erfüllen. Der Roboter soll zwar sehr schnell hellhörig werden, wenn sich etwas ereignet, das wie ein Sturz oder Kollaps aussieht, Alarm soll er aber nicht gleich schlagen. Ist scheinbar etwas passiert, versucht er zuerst mit der Person Kontakt aufzunehmen, indem er sie anspricht. Da er sich durch den Raum bewegen kann, ist es ihm möglich, die Situation von verschiedenen Blickwinkeln zu beurteilen, wenn er keine Rückmeldung erhält. Das soll Fehlalarme reduzieren und wiederum die Akzeptanz erhöhen.

"Momentan sind wir zwar noch weit weg vom Produkt", so Markus Vincze vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU, die ersten Tests hätten die Prototypen allerdings schon erfolgreich absolviert. Bisher kann "Hobbit" bereits den Boden von herumliegenden Gegenständen - also möglichen Auslösern für Stürze - befreien und Dinge holen, die er kennt. Er kann aber auch neue Gegenstände lernen, indem er sie auf seinem eingebauten Drehteller von allen Seiten betrachtet und dann speichert.

Abseits davon kann man mit ihm im Internet surfen, telefonieren, Musik oder Videos abspielen und Spiele spielen. Außerdem soll er seinen Besitzer auch ab und zu überraschen, indem er etwa einen Witz erzählt.

"Einige Jahre"

Seit Oktober 2012 arbeiten die Wissenschafter nun an dem von der EU geförderten Projekt, wie Vincze erklärte. Bis Februar 2014 will man die Prototypen weiter verbessern, um sie dann in Ein-Personen-Haushalten von Menschen, die älter als 70 Jahre sind, zu testen. Diese Tests werden in Österreich, Schweden und Griechenland stattfinden. Bis zur Marktreife werde es zwar noch "einige Jahre" dauern, der Roboter soll dann aber nicht mehr als 5.000 Euro kosten, erklärte der Forscher. (APA, 14.3. 2013)

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