Immofinanz-Prozess: Vorwurf erhärtet, längere Dauer

14. März 2013, 16:41
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Ein Gutachter meint, durch das Verhalten der Angeklagten könnte es zu einem Vermögensnachteil gekommen sein. Der Prozess wird verlängert

Wien - Der Immofinanz-Prozess um Aktienoptionsgeschäfte ("Hable-Optionen") geht in die Verlängerung. Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Claudia Moravec-Loidolt hat sich heute für die Ladung weiterer Zeugen ausgesprochen. So sollen ein Immoeast-Aufsichtsrat und der "Mastermind" des Constantia Privatbank-Immofinanz-Firmenkonstrukts, Christoph Kraus, gehört werden. Nächster Verhandlungstermin ist der Montag, an dem folglich kein Urteil zu erwarten ist.

Wo kein Kläger, da ...

Der heutige zehnte Prozesstag stand im Zeichen des Gutachters Oliver Lintner, der die Optionsprämien für die Aktienoptionsgeschäfte der Angeklagten berechnete hat. Demnach wären für die Vereinbarungen millionenschwere Optionsprämien zu zahlen gewesen. Die Angeklagten, Ex-CPB-Chef Karl Petrikovics und Ex-CPB-Vizeaufsichtsratschef Helmut Schwager sowie der erkrankte mitangeklagte Norbert Gertner zahlten aber keine Optionsprämien, sondern lukrierten nur den Gewinn von rund 20 Mio. Euro. Die Staatsanwaltschaft hat sie deswegen wegen Untreue angeklagt.

Weiters wiederholten Petrikovics und Schwager ihre Verteidigungslinien. Petrikovics beteuerte, die geheim gehaltenen Optionsgeschäfte nur zum Nutzen der CPB gemacht zu haben. Den Verlust in der Immoeast von 7,6 Mio. Euro, der aus einer "Barvorlage" von 41 Mio. Euro resultierte, habe er nicht zu verantworten. Die Forderung sei ja werthaltig und durch die Bonität der CPB gesichert. Fragen der Richterin, warum die Angeklagten das Ganze geheim gehalten hatten und die Dokumentationen nicht vorhanden sind oder lückenhaft, brachten Petrikovics ins Schwimmen. Damals seien bei der Dokumentation zwar Fehler begangen worden, aber im Grunde sei man rechtmäßig vorgegangen. Petrikovics bestätigte seine Urheberschaft für die Deals: "Das Ganze war meine Idee".

Privatgutachten nicht erörtert

Schwager verteidigte sich, dass nicht er sondern Petrikovics die Optionsgeschäfte konstruiert und durchgeführt hätte. Er habe lediglich - über seine Frau und einen Mitarbeiter - Aktien gezeichnet, die CPB habe ihn aber nie darauf angesprochen, sie abzuholen. Demgegenüber berichtete aber Petrikovics von Besprechungen mit Schwager und Gertner über das weitere Vorgehen bei den Optionen.

Einige Anträge der Verteidiger wurden heute Nachmittag vom Senat zurückgewiesen. So werden die Privatgutachten von Prof. Krejci und Keppert nicht erörtert und die Privatgutachter nicht als Zeugen gehört. Auch der Antrag, das Gutachten vom gerichtlich bestellten Sachverständigen Gerhard Altenberger wegen dessen behaupteter Befangenheit nicht zu erörtern, wurde abgelehnt. (APA, 14.3.2013)

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