Forscher stießen auf ungewöhnlich große Zahl von Fischfossilien

14. März 2013, 20:31
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Paläontologen glauben, die Fische wurden vor zehn bis zwölf Millionen Jahren unter Vulkanasche begraben

Nairobi/Berlin - Münchner Forscher sind in Kenia an insgesamt acht Fundstätten auf ungewöhnlich viele gut erhaltene Fischfossilien gestoßen. Im Rift Valley, rund 300 Kilometer nordwestlich von Nairobi, entdeckten die Paläontologen der Ludwig-Maximilians-Universität im Jänner und Februar fast 170 Versteinerungen. "Es ist sehr selten, dass so viele Fisch-Fossilien auf einmal entdeckt werden und diese dann auch noch so gut erhalten sind", berichtet Bettina Reichenbacher. Die Fossilien dürften zwischen zehn und zwölf Millionen Jahre alt sein, schätzen die Wissenschafter. Sie werden nun mit Genehmigung der kenianischen Behörden in München untersucht.

Die Forscher vermuten, dass die Fische durch den Einfluss von Vulkanismus gestorben sind. "Viele Fisch-Fossilien haben ein geöffnetes Maul, was dafür sprechen könnte, dass sie erstickt sind", ergänzte Reichenbacher. Womöglich seien die Fische unter Vulkanasche begraben worden. Das könne auch der Grund dafür sein, dass sie noch so gut erhalten sind.

Das Rift Valley in Kenia gilt als Wiege der Menschheit seit Anthropologen dort die Überreste menschlicher Urahnen gefunden haben. Einheimische haben die Forscher auf die Fisch-Fossilien aufmerksam gemacht und ihnen bei der Orientierung in dem unwegsamen Gelände in der Gebirgskette Tugen Hills geholfen. "Das ist der Schlüssel unseres Erfolges", sagte Reichenbacher.

Mehrere neue Arten erwartet

Der kleinste Fisch, dessen Überreste gefunden wurden, ist in etwa fünf Zentimeter lang, der größte misst rund 30 Zentimeter. Die Wissenschafter erwarten, dass unter den Fossilien mehrere neue Arten sind. Im heutigen Afrika gebe es rund 3.000 Arten von Süßwasserfischen, erläuterte Reichenbacher. Als Fossilien seien aber bisher weniger als 60 Arten entdeckt worden. "Die Auswertung wird uns Informationen über die Evolution der Fischfauna nicht nur in Kenia, sondern in ganz Afrika geben", ergänzte die Wissenschaftlerin.

Fossilienfunde sind wichtig, um die Evolutionsgeschichte zu verstehen. Paläontologen können aus ihnen Rückschlüsse auf die damalige Umwelt und das damalige Klima ziehen - in Kenia zum Beispiel, wann das Grasland entstanden ist. Für Reichenbacher ist das von großer Bedeutung. Denn die Entstehung von Grasländern prägte die Entwicklung der sogenannten Hominiden, Vorläufer des heutigen Menschen. Bisher gebe es widersprüchliche Berichte darüber, wann das Grasland entstanden sei, sagte Reichenbacher. (APA/red, derStandard.at, 14.03.2013)

  • Paläontologen von der Ludwig-Maximilians-Universität in München entdeckten im Jänner und Februar 2013 fast 170 Fisch-Versteinerungen.
    foto: prof. dr. bettina reichenbacher (lmu münchen)

    Paläontologen von der Ludwig-Maximilians-Universität in München entdeckten im Jänner und Februar 2013 fast 170 Fisch-Versteinerungen.

  • Die kleinsten Fossilien maßen nur wenige Zentimeter Länge.
    foto: prof. dr. bettina reichenbacher (lmu münchen)

    Die kleinsten Fossilien maßen nur wenige Zentimeter Länge.

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