Irland rettet sich von Fonds zu Fonds

14. März 2013, 12:08
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Die Krise in Irland ist vorbei, könnte man meinen, din Fondsmanager könnte den Weg aus der EU-IWF-Rettung ebnen

Die Krise in Irland ist vorbei, könnte man meinen. Das Land hat einen "Meilenstein" hinter sich gelassen, auf dem Weg sich von den Rettungsgeldern abzunabeln. "Irland hat es geschafft", frohlockt etwa Holger Schmieding, Ökonom bei der Berenberg Bank. Das Land, das 2010 Geld von seinen EU-Partnern und dem IWF gebraucht hat, um sich zu finanzieren, hat sich am Mittwoch erstmals seit der Rettung langfristigen Kredit am Anleihenmarkt geholt.

Die Auktion zehnjähriger Bonds hat viele Erwartungen übertroffen, weil sich das Land günstiger und stärker finanzieren konnte als erwartet. Mit nur 4,15 Prozent Zinsen kommt das Land günstiger zu Geld als die deutlich größeren Länder Spanien oder Italien, aber auch wesentlich billiger als etwa Portugal oder Griechenland. Insgesamt hat es Gebote für mehr als zwölf Milliarden Euro an Papieren gegeben, wobei das Land eigentlich nur drei Milliarden aufnehmen wollte – geworden sind es am Ende fünf Mrd. Euro.

Mehrere Dinge unterscheiden Irland von anderen Krisenländern. Am häufigsten zitieren Ökonomen, Analysten und Europas Politiker die wettbewerbsfähige Wirtschaft des Inselstaates, die in der Lage ist, zu exportieren. Seit 2010 geht es mit der irischen Volkswirtschaft deutlich stärker bergauf als in anderen Ländern (siehe Grafik). Damit könne sich das Land trotz der rekordhohen Kosten der Rettung des irischen Bankensektors über Wasser halten, so das Argument von Analysten wie Schmieding.

Doch ein zweiter Faktor ist Michael Hasenstab. Denn Irlands Finanzminister Michael Noonan hat in ihm einen finanzstarken Freund in Kalifornien. Fondsmanager Hasenstab von Franklin Templeton ist einer der wichtigsten Gläubiger von Irland. Mehr als 8,5 Milliarden Euro an irischen Staatsanleihen hält er in seinen Fonds, die an Anleger weltweit verkauft werden. Damit kommt fast jeder zehnte Euro, den Irland am Anleihenmarkt aufgenommen hat, von dem kalifornischen Investor.

Hohe Gewinne aus Irland-Position

Eingestiegen ist Hasenstab, als Panik die Kapitalmärkte erfasst hatte und die zehnjährigen Zinsen in Irland bei 14 Prozent standen. Heute, bei einem Zinssatz von vier Prozent, sitzt Hasenstab auf hohen Gewinnen aus der Irland-Position. Sein wichtigster Fonds, der Templeton Global Bond, hat mehr als acht Prozent in Irland investiert. Für ein Land, das gerade einmal einen Anteil von knapp 0,3 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmacht, ist das ein massives Übergewicht.

Damit ist Hasenstab für Irland ein wichtiger Vertrauensanker, argumentieren auch andere Fondsmanager (Link). Solange Franklin Templeton ein derart hohes Gewicht in Irland investiert hat, kann dem Land kaum etwas passieren. So hat die Fondsgesellschaft etwa auch an Primär-Emissionen (wenn sich das Land frisches Geld holt) beteiligt. Andere Investoren können sich gewiss sein, dass damit ein finanzstarker Unterstützer Irlands die Zinsen niedrig halten kann. Die gute Entwicklung in Irland könnte daher weniger mit gelungenen Reformen, sondern Investorenverhalten zu erklären sein.

Das "Wall Street Journal" hat etwa in einer Geschichte gewarnt, dass Investoren aus dem Global Bond Fund flüchten könnten, weil ihnen das große Irland-Engagement auf den Magen schlägt. Das ist zwar noch nicht passiert. Aber wie ein Fonds-Selektor einer heimischen Bank es formuliert: "Man liest ungern von einzelnen Wetten eines Fondsmanagers in der Zeitung." (Lukas Sustala, derStandard.at, 14.3.2013)

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