Ärztekammer fordert mehr Prävention am Arbeitsplatz

14. März 2013, 11:51
7 Postings

Allein 2011 waren 527.000 Menschen wegen Erkrankungen des Bewegungsapparates in Krankenstand

Anlässlich des 12. Tages der Rückengesundheit fordert die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) flächendeckende Maßnahmen zur Prävention. Zu wenig Bewegung, die falsche Sitzposition, Übergewicht – die Ursachen für Rückenleiden sind vielfältig. Rund 70 Prozent der Erwachsenen haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen, jeder fünfte Österreicher kämpft mit chronischen Problemen. Nur Vorsorge wie in den Arbeits- und Schulprozess einbezogene, gezielte Bewegung zur Stärkung der Rückenmuskulatur könne spätere Leiden verhindern, sagt ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger.

Sitzende Tätigkeiten sind Gift für den Rücken

"Wir wissen, dass im Jahr 2011 insgesamt 29.395 Menschen an der Wirbelsäule operiert werden mussten, 2.388 wegen Problemen mit der Bandscheibe. Über 39.000 Menschen suchten die heimischen Spitäler wegen Rückenschmerzen auf", so Wechselberger. Zunehmend sei dabei die Gruppe der 35- bis 55-Jährigen, also Menschen im erwerbsfähigen Alter, betroffen. Sie üben meist eine sitzende Tätigkeit aus und leiden unter Bewegungsmangel.

Deshalb müsse am Arbeitsplatz angesetzt werden, so Wechselberger: "Wir brauchen ergonomisch sinnvoll gestaltete Arbeitsplätze und die Möglichkeit, kleine Bewegungspausen in den Arbeitsalltag zu integrieren. In Österreich gibt es mehr als 1.800 Arbeitsmediziner, die in den Unternehmen bei der Gestaltung rückenfreundlicher Arbeitsplätze helfen". Weichselberger ruft die österreichischen Arbeitgeber auf, hier noch weiter präventiv tätig zu werden.

Rückenleiden sind Lebensstilerkrankungen

Rückenleiden sind mittlerweile in erster Linie auf den Lebensstil zurückzuführen. Wegen langem Sitzen vor Fernseher und Computer,  Übergewicht und Bewegungsmangel sind auch immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen. Abhilfe kann nur regelmäßige Bewegung schaffen, sagt Orthopädie-Experte Christoph Reisner von der Ärztekammer für Niederösterreich: "Es wäre grundfalsch, sich bei Rückenschmerzen hinzulegen – das kann das Leiden unter Umständen noch verschlimmern, die Muskulatur wird ja nicht trainiert."

Eine gut trainierte Bauch- und Rückenmuskulatur wirke sich hingegen positiv aus, wie überhaupt ein gesünderer Lebensstil unerlässlich zur Vorbeugung sei. Damit lässt sich auch die beständig wachsende Zahl an Krankenstandstagen reduzieren. Allein im Jahr 2011 mussten 527.326 Menschen wegen Erkrankungen des Bewegungsapparates für durchschnittlich 16 Tage in Krankenstand gehen. Mit rechtzeitiger Vorsorge ließe sich das vermeiden. 

Prävention von Kindesbeinen an

Prävention müsse dabei bereits im Kindesalter beginnen, betont Schulärzte-Sprecherin Gudrun Weber: "Die Schultaschen sind oft viel zu schwer, die Sitzmöbel in der Schule haben meist eine Höhe, die nicht der Größe des Kindes entspricht. Zudem mangelt es den Kindern an Bewegung."

Zu schwere Schultaschen würden speziell den jüngeren Kindern zu schaffen machen. Weber: "An sich sollte eine Schultasche nicht mehr als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts wiegen, was die meisten Schultaschen weit übersteigen. Oft werden sie obendrein nur an einem Riemen auf einer Schulter getragen, obwohl es besser wäre, beide Riemen zu verwenden und das Gewicht so auf beide Schultern zu verteilen." Dabei müsse auch auf die richtige Höhe geachtet werden. Hängt die Schultasche zu weit unten kann das zu einem Hohlkreuz führen.

Aber auch Bewegungsmangel sei ein großes Problem, so Weber: "Durch das viele Sitzen wird die Rückenmuskulatur nur einseitig belastet. Es braucht dann einen entsprechenden Ausgleich und ein gezieltes Training der Muskulatur". Zusätzlich sollten laut der Expertin die Schulärzte kontrollieren, ob die Wirbelsäule von der Norm abweicht und bei Verdacht auf Fehlstellungen an entsprechende Fachärzte verweisen, um Haltungsschäden im Erwachsenenalter vorzubeugen. (red, derStandard.at, 14.3.2013)

  • Fehlstellungen der Wirbelsäule und andere Rückenproleme ließen sich durch rechtzeitige Vorsorge oftmals vermeiden.
    foto: science photo library / picturedesk.com

    Fehlstellungen der Wirbelsäule und andere Rückenproleme ließen sich durch rechtzeitige Vorsorge oftmals vermeiden.

Share if you care.