Reste vom Paradies für Regenschirmträger

15. März 2013, 17:03
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Auf den Troppberg führen viele Wanderwege durch den Wienerwald - lohnend ist jene Wanderung zu den Ruinen eines geheimnisvollen Klosters

Gezählte fünfzehn Wanderrouten führen zum oder über den Troppberg, darunter seit 2011 auch der Abschnitt Purkersdorf-Göttweig des österreichischen Jakobswegs. Einer der abwechslungsreichsten Wege nimmt in Riederberg seinen Ausgang. Man passiert dabei die romantischen Überreste des 1460 gegründeten Franziskanerklosters Sancta Maria in Paradyso, das bereits 1529 von den Osmanen wieder zerstört wurde.

Fachleute vermuten unter den Fundamenten der einstigen Abtei noch Reste eines römischen Bauwerks, welches der Sicherung der alten Straße über den Riederberg diente. Auch munkelt man immer noch von Besitzungen der Templer in dieser Gegend, welche sich bisher nicht belegen ließen.

Der kleinen Quelle neben den Mauerresten sagt man eine besondere Wirkung nach. Wer das Wasser mit einem Stock umrührt und dabei drei Vaterunser betet, bewirke, dass es bald regnet. Optimisten und Esoteriker erkennt man stets am Regenschirm, den sie mithaben.

Weiter wegen der Warte

Auf den Troppberg steigt man vor allem der Aussicht wegen. Der Rundblick von der Plattform der stählernen Warte beeindruckt immer wieder. In älteren Beschreibungen ist vor allem die Sicht zum Schneeberg und zum Ötscher erwähnt, doch zum Panorama gehören auch Schneealpe, Hochwechsel, Gippel, Reisalpe und Unterberg. Man erspäht ein Stück der slowakischen Hauptstadt Bratislava, das südliche Waldviertel und sogar einen kurzen Abschnitt der Donau sowie den Buschberg im Weinviertel. Und natürlich zeigen sich viele bekannte Erhebungen des Wienerwaldes.

Das früher sehr beliebte kleine Gasthaus Rabensteig existiert schon lange nicht mehr, nicht einmal der Gedenkstein, der an einen Besuch der Kaiserin Elisabeth erinnerte, ist mehr zu finden. Das Fehlen der Labestation ist mit ein Grund, warum die Anstiege aus dem Norden eher wenig frequentiert werden.

Wie fast alle Wienerwald-Touren verlangt auch die Besteigung des Troppbergs keine besondere Kondition. Es gibt unterwegs auch keinerlei Schwierigkeiten. Nur genügend Proviant und Getränke sollte man im Rucksack haben.

Die Wanderroute: Von der Kirche in Riederberg folgt man der blauen Markierung, die in den Klostergraben führt. Nach etwa einer halben Stunde erreicht man das ehemalige Franziskanerkloster. Weiter aufwärts durch den Graben bis zum Saubühel, dort wechselt man nach rechts auf die rote Markierung. Über einen Rücken hinweg gelangt man zu einer freien Fläche, steigt zum Rabenstein auf und wandert durch einen Buchenwald zum Fuß des Troppbergs, dessen Gipfel und Warte man nach einem kürzeren steilen Anstieg erreicht. Gehzeit ab Klosterruine 1½ Stunden.

Auf der Anstiegsroute kehrt man bis zum freien Gelände vor dem Saubühel zurück und zweigt dann nach links auf eine grüne Markierung ab. Diese folgt einem breiten Rücken, dann geht es hinab und durch Felder und Wiesen zurück zum Ausgangspunkt Riederberg. Gehzeit ab Troppberg 1½ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 16.3.2013)

  • Die Überreste des Franziskanerklosters Sancta Maria in Paradyso.

    Die Überreste des Franziskanerklosters Sancta Maria in Paradyso.

  • Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhen- differenz 300 m. Kein Stützpunkt an der Route. ÖK25V Blatt 5319-West (Tulln an der Donau), Maßstab 1:25. 000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhen- differenz 300 m. Kein Stützpunkt an der Route. ÖK25V Blatt 5319-West (Tulln an der Donau), Maßstab 1:25. 000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000

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