Du, Felix aus Austria, pflanze!

14. März 2013, 16:57
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Die komplementären Jane-Goodall-Projekte in Uganda schützen nicht nur die Schimpansen sondern helfen auch den Menschen vor Ort

Gott, was für ein Wald! 2456 Bäume hat Felix Gottwald vor zwei Wochen in Uganda gepflanzt. Das Jane-Goodall- Institut-Austria spannte den erfolgreichsten Sportler der österreichischen Olympia-Geschichte dafür ein, weil das Aufforstungsprojekt in Hoima einen Namen braucht. Der so geschaffene "Felix-Austria-Wald" und rund 400.000 weitere Bäume sollen den rund 5000 noch in Uganda lebenden Schimpansen als Korridor dienen. Er verbindet getrennte Populationen wieder miteinander und erleichtert dadurch deren Fortbestand - aber eben nicht nur das.

Wie die Gründung des Mgahinga-Nationalparks gezeigt hat, können Artenschutz und Interessen von Menschen durchaus in harschem Konflikt zueinander stehen. Die "grüne Schimpansenbrücke" soll dagegen der Wiederherstellung eines Mikro-Ökosystems dienen, von dem dezidiert auch die Menschen in der Region profitieren: durch sauberes Trinkwasser und selbstbestimmte, nachhaltige Land- und Holzwirtschaft. Größere nationale Goodall-Institute als das österreichische wollen unter anderen Projektpartnern dafür sorgen, dass der neue Wald rascher als vermutet "steht": Nur rund drei bis vier Jahre dauert es, bis er in dieser günstigen Klimazone wieder ein funktionierendes Ökosystem darstellt, weiß Gudrun Schindler-Rainbauer, Geschäftsführerin des österreichischen Instituts.

Die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall, die sich seit mehr als 50 Jahren mit Schimpansen beschäftigt, scheint jedenfalls einen ganzheitlicheren Ansatz bei ihren Projekten zu wählen, als es etwa Dian Fossey tat. Im Gegensatz zur "Anwältin" der Berggorillas versuchte sie bereits früh, Naturschutz, der den Menschen nicht als Teil davon begreift, zu vermeiden. Oder viel plakativer ausgedrückt: Wenn ein Goodall-Institut wie derzeit in Uganda eine Auffangstation für Schimpansen unterhält, muss es auch ein Projekt für die Menschen vor Ort geben.

Seit 2012 betreibt das österreichische Institut unter anderem ein Bio-Landwirtschaftsprojekt gemeinsam mit den Batwa. Das klingt zunächst einmal so, als würden Eulen nach Athen getragen, weil die Batwa die Bedeutung von Biodiversität ja natürlich länger kennen als jeder Öko-Bauer bei uns. Allerdings ist es ihnen heute untersagt, mit kaum wahrnehmbarem ökologischen Fußabdruck als Jäger und Sammler in den Wäldern Ugandas zu leben. "Nun ist die Integration in jene Dorfgemeinschaften, die die Batwa nach ihrer Diaspora aufnahmen, notwendig. In ihr Leben als Nomaden können sie nicht mehr zurück", meint Schindler-Rainbauer.

Welche Rolle der Tourismus dabei spielen kann oder soll, gilt es zu hinterfragen: "Klar ist, die Batwa sind keine Ausstellungsstücke, die Geld für Besichtigungen erhalten sollten", sagt sie. Absurderweise hätten viele der vertriebenen Batwa bis heute das Gefühl, als Beschützer ihres Waldes versagt zu haben. Die sinnvollste Maßnahme sei demnach, mit Mitteln aus dem Tourismus oder NGO-Projekten wieder kleine intakte Ökosysteme zur Selbstversorgung zu schaffen. Dass der Schlüssel zu einer selbstständigen Zukunft nach der Entwurzelung der Batwa allerdings nicht mehr nur die intakte Natur sein kann, scheint logisch. Auf dem Grundstück, das Goodall-Austria Ende 2012 am Bunyonyi-See erwarb, wird auch eine der ersten Schulen für die Kinder der Batwa stehen. /Sascha Aumüller, derStandard.at, RONDO, 15.2.2013)

Informationen: www.janegoodall.at

  • Jane Goodall-Projekte schützen nicht nur Tiere sondern sollen auch den Menschen nützlich sein.
    foto: www.janegoodall.at

    Jane Goodall-Projekte schützen nicht nur Tiere sondern sollen auch den Menschen nützlich sein.

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