"Institut für religiöse Werke": Geldwäscheverdacht

13. März 2013, 22:44
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Aufräumen in der Vatikanbank ist eine der dringlichsten Aufgaben des neuen Papstes

Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen argentinischen Papstes Franziskus I. ist eine rein weltliche. Er muss sich der Verwaltung des Geldes widmen. Bisher wirde dies von der Vatikanbank IOR gemacht. Das Istituto per le Opere di Religione (Institut für die religiösen Werke) steht seit Jahrzehnten  wegen wenig transparenter Machenschaften im Kreuzfeuer der Kritik.  Es soll auch einer der Gründe der Abdankung Benedikts XVI. gewesen sein. Noch nie war ein Machtwechsel im Vatikan so eng mit dem Finanzgebaren des Heiligen Stuhls verbunden wie diesmal.

Eine der letzten Entscheidungen von Papst Ratzinger war die Ernennung des deutschen Bankers Ernst von Freyberg zum neuen IOR-Präsidenten. Der erst drei Jahre zuvor mit dem Amt betraute katholische Nationalökonom Ettore Gotti Tedeschi, einst Chef der Santander Bank in Italien,  war gescheitert. Als er vor knapp einem Jahr "gegangen" wurde, fürchtete er sogar um sein Leben. Die undurchsichtigen Geschäfte der Vatikanbank beschäftigen seit Jahren nicht nur die Staatsanwaltschaft in Rom und die italienische Bankenaufsicht, sondern auch die OECD. Der Vatikanbank gelang es nicht, auf die weiße Liste der OECD zu gelangen. Dafür müssen Regeln gegen Geldwäsche und für Transparenz beachtet werden.

So hat das Institut bisher noch keinen Bankstatus und veröffentlicht keine Bilanzen. Bei seinen Säuberungsversuchen scheiterte Gotti Tedeschi, der dem konservativen Opus Dei nahe steht, vor allem am Widerstand im Vatikan selbst.

Das IOR ist auch in alle größeren italienischen Finanzskandale verwickelt: von der Skandalbank Monte dei Paschi di Siena bis zu der in den 1980er-Jahren zusammengebrochenen Banco Ambrosiano. Mehrere Päpste, unter anderen Johannes Paul I., versuchten, Licht in die Machenschaften der Bank zu bringen. Der 1978 gewählte Italiener Albino Luciani starb nach nur 33 Tagen im Amt. Sein überraschender Tod löste zahlreiche Spekulationen aus.

Die Staatsanwaltschaft in Rom vermutet, dass hinter  den zahlreichen anonymen Konten des IOR nicht nur Steuerbetrüger stehen, sondern auch das organisierte Verbrechen. Angeblich soll IOR auch mehrere Konten bei anderen italienischen Banken verwalten. Allein über die Unicredit-Filialen in Rom sollen in den letzten zwei Jahren 180 Millionen Euro geflossen sein. Grundsätzlich verwaltet  die Vatikanbank die Gelder der katholischen Orden und Verbände.

Inzwischen werden die Rufe nach einer Schließung des IOR  immer lauter. Die Rechnung muss aber mit jenen mächtigen Kurienkardinälen gemacht werden, die für die fristlose Entlassung Gotti Tedeschis verantwortlich waren. Dazu zählt zweifellos der bisherige Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone. Er wurde zwar von Papst Ratzinger ernannt und rivalisierte mit der alten Garde, in Sachen IOR machte er aber keineswegs reinen Tisch, sondern verhinderte diesen eher. (Thesy Kness-Bastaroli aus Rom, DER STANDARD, 14.3.2013)

  • Eine Festung, die schwer einzunehmen ist: der Sitz der skandalumwitterten Kirchenbank IOR, des "Istituto per le Opere di Religione" (Institut für die religiösen Werke), im Innern des Vatikan.
    foto: ap/domenico stinellis

    Eine Festung, die schwer einzunehmen ist: der Sitz der skandalumwitterten Kirchenbank IOR, des "Istituto per le Opere di Religione" (Institut für die religiösen Werke), im Innern des Vatikan.

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