"Spielen seit drei Wochen einen schönen Dreck"

13. März 2013, 23:38
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Arsenal kam nach einem 1:3 im Hinspiel der Achtelfinal-Sensation überraschend nahe - Málaga verabschiedet Porto mit 2:0-Sieg

München - Bayern München hat trotz einer 0:2 (0:1)-Niederlage im Rückspiel gegen den FC Arsenal zum zwölften Mal das Viertelfinale der Champions League erreicht. Der souveräne Tabellenführer der deutschen Bundesliga hatte das Hinspiel in London 3:1 gewonnen. Olivier Giroud brachte die Engländer in der 3. Minute in Führung, in der 85. Minute erhöhte Laurent Koscielny per Kopf auf 2:0.

Die Bayern waren zwar nach dem frühen Rückstand drückend überlegen, vergaben aber einige klare Chancen und musste sich nach 23 Pflichtspielen ohne Niederlage erstmals wieder geschlagen geben. Zudem ist Javi Martinez wegen der zweiten Gelben Karte im Viertelfinal-Hinspiel gesperrt. Das Viertelfinale komplettiert Málaga, die Spanier setzten sich nach dem 0:1 in der ersten Partie dank eines 2:0 vor eigenem Publikum gegen den FC Porto durch.

Alaba rutscht weg

Arsenal legte in der Allianz-Arena einen Start nach Maß hin: Nachdem David Alaba ausgerutscht war, konnte Theo Walcott unbedrängt nach innen passen und der Franzose Giroud hatte keine Mühe, den Ball über die Linie zu drücken. Die Bayern, ohne den verletzten Franck Ribéry sowie die gesperrten Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng angetreten, waren nicht wirklich geschockt.

Bereits in der 10. Minute kam Schweinsteiger-Ersatz Luiz Gustavo zur ersten guten Gelegenheit zum Ausgleich. Der wiedergenesene Arjen Robben war gegen die dichtgestaffelte Arsenal-Defensive bemüht und hatte viele Ballkontakte. Die entscheidende Aktion gelang dem Niederländer zunächst aber nicht. Arsenal, das Jack Wilshere, Lukas Podolski und Bacary Sagna ersetzen musste, blieb bei seinen seltenen Vorstößen durchaus gefährlich. Einen Freistoß von Tomas Rosicky verpasste Per Mertesacker nur knapp (12.). Dann kam Giroud nach Walcott-Hereingabe einen Schritt zu spät (31.).

Zweites Tor fällt zu spät

Nach der Pause übernahmen die Münchner sofort wieder die Initiative. Doch Robben und Kroos verfehlten bei Schüssen knapp. Die beste Chance vergab der Niederländer in der 68. Minute, der allein auf Lukasz Fabianski zulief, allerdings am Arsenal-Schlussmann scheiterte. Glück hatten die Bayern, als der tschechische Schiedsrichter Kralovec in der 55. Minute Walcott fälschlicherweise wegen Abseits zurückpfiff, dieser hätte alleine auf Keeper Manuel Neuer zusteuern können.

Ansonsten fehlte Arsenal aber die Durchschlagskraft, um die Bayern wirklich in Bedrängnis zu bringen. Trotzdem war Gervinho in der 79. knapp dran, doch sein Ball ging knapp am langen Eck vorbei. Koscielny machte es kurz vor Schluss besser, er köpfelte nach einem Corner von Cazorla ein. Doch die Bayern ließen danach die Zeit ziemlich routiniert herunterticken. Nach dem Aus von Arsenal ist die englische Premier League erstmals seit 1996 nicht im Champions-League-Viertelfinale vertreten.

Auf die Mütze

Uli Hoeness platzte auf die Frage nach einem Wunschgegner im Viertelfinale der Kragen: "Mir ist das völlig wurscht. Wenn wir gut spielen, können wir jeden schlagen. Wenn wir so spielen, gewinnen wir gegen niemanden." Und der Bayern-Präsident legte noch nach: "Der Trend ist your friend. Und wir spielen seit drei Wochen einen schönen Dreck. Das reicht nicht."

Erstmals in dieser Saison wurde vor allem deutlich, dass selbst der hoch gelobte Millionen-Kader der Münchner nicht jeden Spieler gleichwertig ersetzen kann. So machte sich gegen die biederen Engländer deutlich bemerkbar, dass der verletzte Superstar Franck Ribéry und der gesperrte Bastian Schweinsteiger nicht dabei waren. Es habe deshalb "die Struktur gefehlt", meinte Rummenigge. Man habe "nie die Kontrolle über das Spiel bekommen", ergänzte Trainer Jupp Heynckes.

Heynckes ging die kollektive Kritik der Bosse aber dann doch wieder einmal zu weit, nachdem sein Team über Wochen dominiert und durchaus beeindruckt hatte. "Man setzt immer voraus, dass wir glanzvoll und mit zwei, drei Toren Abstand gewinnen. Aber das geht nicht. Man muss auch draußen merken, dass ein FC Bayern auch verlieren kann."

Immerhin zeigten sich die Stars einsichtig und gewannen dem unerwarteten Rückschlag sogar positive Seiten ab. "Das wirft einige Fragen auf. Vielleicht ist so ein Dämpfer in unserer Eitel-Sonnenschein-Welt ganz gut. Jetzt sprechen wir wieder kritischer über uns, extern und intern. Das hilft, uns wieder zu Höchstleistungen zu treiben", sagte Thomas Müller. Auch Arjen Robben sprach von "einem Warnschuss" zur rechten Zeit, "wenn du immer nur hörst, dass wir die Besten sind. Wir müssen daraus lernen."

Málaga, die dritte spanische Kraft

Gleich drei Vereine in der Runde der letzten acht kommen hingegen aus Spanien, denn Málaga gelang gleich in der Debütsaison der Viertelfinal-Aufstieg. Jungstar Isco (43.) und der ehemalige Bayern-Profi Roque Santa Cruz (77.) trafen für die Andalusier, die im kommenden Jahr wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay nicht im Europacup antreten dürfen.

Im Stadion La Rosaleda stand zunächst Schiedsrichter Nicola Rizzoli im Blickpunkt: Der Italiener hatte alleine vor der Pause fünf Gelbe Karten gezeigt, ehe er der vermeintlichen Führung der Gastgeber durch Javier Saviola (40.) wegen Foulspiels die Anerkennung verweigerte. Wenig später jubelten die Spanier dennoch: Der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler Isco traf aus 17 Metern ins linke obere Eck.

Auch nach der Pause sahen die Zuschauer ein nicht unbedingt attraktives, aber umkämpftes und spannendes Spiel. Málaga hatte weiter mehr vom Spiel und warf besonders nach der Gelb-Roten Karte gegen Portos Steven Fedour (49.) alles nach vorne, während die Gäste nur noch auf Konter lauerten

Für das erlösende zweite Tor sorgte der erst drei Minuten zuvor eingewechselte Santa Cruz. Der Paraguayer traf aus kurzer Entfernung ins lange Eck. In der Schlussphase drückte Porto zwar auf das rettende Auswärtstor, musste am Ende aber den Traum vom dritten Titel nach 1987 und 2004 aufgeben. (sid/APA/red, derStandard.at, 13.3.2013)

Champions League, Achelfinal-Rückspiele, Mittwoch

Bayern München - Arsenal 0:2 (0:1)
Allianz Arena, 68.000 Zuschauer

Tore: Giroud (3.), Koscielny (86.)

Alaba spielte bei Bayern durch

Hinspiel 3:1, Bayern mit dem Gesamtscore von 3:3 dank der Auswärtstorregel weiter

Malága - Porto 2:0 (1:0)
La Rosaleda, 28.000 Zuschauer

Tore: Isco (43.), Santa Cruz (77.)

Gelb-Rote Karte: Defour (49./Porto)

Hinspiel 0:1, Malaga mit dem Gesamtscore von 2:1 weiter

Bereits im Viertelfinale (2./3. bzw. 9./10. April): Borussia Dortmund, Real Madrid, Paris St. Germain, Juventus Turin, FC Barcelona, Galatasaray Istanbul. Auslosung am Freitag um 12 Uhr in Nyon.

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    Schmerzensmann: Arjen Robben vs Kieran Gibbs...

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    ...sowie: Arjen Robben vs Tomas Rosicky

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    Bayern ist überall. Die Ex-Münchner Roque Santa Cruz und Martin Demichelis freuen sich nun in Málagas Farben.

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