Kitzbüheler Stadtplatz bleibt ohne Fußbodenheizung

13. März 2013, 18:50
112 Postings

Bodenheizung statt Schneeräumung - die Idee der neuen Tourismusobfrau von Kitzbühel wurde zum Witz von Kitz. Die Gemeinde lehnte ab. Schon in den 1990er-Jahren sorgten Pläne für beheizte Plätze und Wege in Frohnleiten und in Wien für Aufregung.

Innsbruck/Graz/Wien - Es hätte in einem gehen können. In Kitzbühel müssen ohnehin die Pflastersteine in der Innenstadt erneuert werden, also deponierte die neue Obfrau des Kitzbüheler Tourismusverbandes, Signe Reisch, ihren Wunsch nach einer Fußbodenheizung am Stadtplatz. Reisch will, dass Schneeschaufeln, Salzgatsch und mit Schneematsch verschmutzte Geschäfte im Nobelort der Vergangenheit angehören. Was im US-Skiort Vail geht, sollte auch in Kitzbühel möglich sein.

Die mächtigste Frau der Gamsstadt

Seit Dezember ist Signe Reisch Chefin des Tourismusverbands. Sie gilt nun als mächtigste Frau der Gamsstadt. Diese Macht liegt schon in der Familie: Ihr Urgroßvater war ein Skipionier und gründete den Kitzbüheler Tourismusverband.

Ihr Großvater war Bürgermeister und Reischs Eltern bauten das erste Selbstbedienungsrestaurant der Gegend. Sie selbst ist Chefin des familieneigenen Golf- und Ski-Hotels Rasmushof im Nobelskiort.

"Ökologischer Wahnsinn"

Doch die Stadtpolitik sagte Nein zur Fußbodenheizung. "Diese wird definitiv nicht umgesetzt", erklärte Stadtsprecher Felix Obermoser. Eine Anfrage des Tourismusverbandes sei zwar eingelangt, die Stadtregierung habe den Vorschlag auch ernst genommen und geprüft. 4000 Quadratmeter in der oberen Vorderstadt und in der oberen Hinterstadt hätten beheizt werden sollen.

"Das ist ein technischer und ökologischer Wahnsinn", sagt Obermoser, "so etwas würden wir nie machen. Der Stromverbrauch wäre unverhältnismäßig hoch geworden". Außerdem sei Schnee in der Stadt doch schön.

Auch das steirische Frohnleiten, das einst mit einer Mülldeponie zu Wohlstand gekommen war, schmiedete in den 1990er-Jahren heiße Pläne: Man wollte damals den gesamten Hauptplatz beheizen. Geworden ist daraus aber dann doch nur ein beheizter Abgang vom Platz.

Idee auch in Wien gescheitert

Doch man muss nicht ins Tiroler Kitzbühel oder das steirische Frohnleiten schauen, um auf die Idee einer Freiluftheizung zu stoßen: Nur kurz nachdem Frohnleiten vom warmen Hauptplatz Abstand genommen hatte, wälzte man in Wien Mitte der 1990er ähnliche Pläne: Dort sollten ebenso satte 4000 Quadratmeter Gehsteige und diverse Wege rund um die Wirtschaftsuniversität beheizt werden - auf Kosten des Bundes. Auch hier wollte man sich das Schneeräumen ersparen.

Realisiert wurde aber auch dieser Plan nie: "Bei uns wird jeden Winter geschaufelt", sagt die Pressesprecherin der WU, Cornelia Moll, dem STANDARD, "nur die Einfahrten zu den Tiefgaragen sind beheizt, das ist aber nichts Ungewöhnliches". (cms, ver, DER STANDARD, 14.3.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kitzbühel in seiner ganzen Pracht. Die Reichen und Schönen werden auch weiterhin beim Einkaufen den Schneematsch in die Luxusboutiquen tragen. Die Stadt will keine beheizten Gehsteige.

Share if you care.