Snowboard-Fabrik pleite: Fürnitz verliert Elan

13. März 2013, 18:03
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Kärnten muss nach Pago, Legat und Griffnerhaus um weitere Arbeitsplätze bangen. Die Snowboard-Fabrik des Skiherstellers Elan ist insolvent

Wien - Erwartet und befürchtet haben es Mitarbeiter von Elan schon lange. Mittwochvormittag wurde es zur Gewissheit. Geschäftsführer Hermann Poklukar klärte sie in einer Betriebsversammlung über den Konkurs der Snowboard-Fabrik in Fürnitz auf, verließ sodann das Werksgelände und überließ Masseverwaltern das Feld. Er war der dritte Chef innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre.

Das Kärntner Unternehmen ist seit 1978 eine Tochter des slowenischen Skiproduzenten Elan, der seit vielen Jahren mit erheblichen Finanzproblemen kämpft. Spezialität der Fürnitzer waren Boards für Winter wie Sommer, die zu 95 Prozent in den Export gingen.

Schon lange keine Gewinne mehr

Von Gewinnen war in Fürnitz schon lange nichts mehr zu sehen. 2011 wies die Fabrik trotz steigender Umsätze auf gut 18 Millionen Euro einen Fehlbetrag von 1,5 Millionen aus, geht aus den Bilanzen hervor. Im Vorjahr brach der Umsatz auf knapp 14 Millionen Euro ein, das Minus summierte sich daraufhin auf 2,8 Millionen Euro.

Derzeit sind 78 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 90 sind saisonal arbeitslos gemeldet. Bisher hatten sie die Zusage auf Wiedereinstellung in produktionsstarken Monaten. Viele der insgesamt 169 Betroffenen arbeiteten mehr als 45 Jahre für Elan, erzählt Betriebsrat Werner Müller dem Standard. Elan habe vier Großkunden verloren, "es fehlt an Substanz." Er hoffe aber immer noch, dass sich jemand finde, der die Produktion in Kärnten auffange. Intern zweifeln viele an einem guten Ausgang.

Keine Sicherheiten

Schon 2011 fiel Nitro als wichtigster Abnehmer aus; neue Eigentümer sattelten auf Boards aus Taiwan um. Coface und Volksbanken kündigten Factoring Vereinbarungen. Eine Kreditaufstockung der BKS Bank milderte den Liquiditätsengpass nur kurzzeitig. Heuer forderten Kunden erhöhte Sicherheiten und Bankgarantien, die weder die Kärntner noch ihre slowenische Mutter geben konnten.

Letztere muss unerlaubte staatliche Förderungen zurückzahlen. Versuche, die mehrheitlich in Besitz der öffentlichen Hand befindliche Gruppe zu verkaufen, glückten nicht. Derzeit gilt der britische Fonds Argus als Kaufanwärter,

Elan fertigt in Slowenien jährlich bis zu 300.000 Paar Alpinskier, der Weltmarkt liegt bei 3,2 Millionen. Das Snowboard-Geschäft ist rückläufig und von Überkapazität geprägt. 90 Prozent der Bretter werden mittlerweile in Fernost erzeugt, sagen Marktkenner. 2008 gab in Kärnten Pale auf - mit 500 Mitarbeitern war der Betrieb Mitte der 90er-Jahre noch einer der größten Hersteller der Branche.

Allerlei Geschäftsideen

Für Elan in Fürnitz machten allerlei Geschäftsideen die Runde. Dem früheren Landeshauptmann Jörg Haider schwebten Boote statt Skier vor, andere erwogen Windräder. 2009 hatte Noch-Landesrat Harald Dobernig eine Bürgschaft von 2,2 Millionen Euro angekündigt, um die Zukunft des Standorts zu sichern - ob diese besteht, ist der Belegschaft nicht bekannt.

Elan ist in Fürnitz laut Creditreform mit 2,2 Millionen überschuldet. 120 Gläubiger sind betroffen. 200 Boards werden noch erzeugt. Dann läuft die Produktion vorerst aus, neue Kunden gibt es keine.

Der Kärntner Arbeitsmarkt erlebt heuer einen Schlag nach dem anderen: Getränkehersteller Pago schließt den Standort Klagenfurt, 110 Jobs gehen verloren. Großbäcker Legat schlitterte mit 129 Mitarbeitern in die Pleite. Bei Griffnerhaus fallen 140 Stellen weg. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 14.3.2013)

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    Snowboard-Profi Siegfried Grabner ließ seine Bretter einst in Fürnitz bauen.

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