Mord im Wienerwald: Die zerteilte Leiche und die Phantomwunde

13. März 2013, 17:40
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18 Jahre Haft für 62-Jährigen wegen Hammermordes an Bekanntem in Wien

Wien - Mit einer Phantomwunde will Jozef E. klar machen, dass er kein Mörder ist. Und seinen, nach eigenen Angaben, besten Freund Milenko M. am 30. März 2012 nicht in seinem Kellerabteil mit einem Vorschlaghammer erschlagen, später zerteilt und im Wienerwald deponiert hat. Das ist nämlich die Anklage, die den 62-Jährigen vor das Geschworenengericht unter Vorsitz von Susanne Lehr gebracht hat.

Kein Hinweis für Glaubwürdigkeit

Seine Version ist eine gänzlich andere. Am Tattag habe ihn das Opfer mit zwei Schwarzafrikanern besucht. E. begleitete M. und einen der Unbekannten in das Kellerabteil und ging zurück in seine Wohnung. Dort sei er völlig überraschend mit ins Gesicht und einem Pistolenknauf auf den Kopf geschlagen worden. Die Schusswaffe sei ihm in den Mund gesteckt und anschließend sei er verprügelt worden.

E. und seine Verteidigerin Eva Maria Barki haben nur ein kleines Problem: Der medizinische Sachverständige Wolfgang Denk hat auf der Kopfhaut des Angeklagten keinen Hinweis gefunden, der die Geschichte untermauert. Ausschließen kann er die Verletzung zwar nicht, wahrscheinlich scheint sie ihm allerdings auch nicht - obgleich sich der Angeklagte mehrmals über eine bestimmte Stelle fährt und beteuert, dass es dort eine Erhebung gäbe.

DNA-Spuren sichergestellt

In ihren Plädoyers orten Anklage und Verteidigung wechselseitig statische Minderleistungen. "Die Geschichte ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen", sagt der Anklagevertreter und verweist auf Indizien wie DNA-Spuren auf den Seilen, mit denen die Plastikplane festgezurrt war, in der der Torso gefunden worden. Es sei nachgewiesen, dass er die Plane zwei Tage vor dem Mord gekauft hat. Unmittelbar darauf sei er mit dem Auto des Opfers nach Serbien gefahren - mit gestohlenen Kennzeichen und manipuliertem Zulassungsschein.

Urteil nicht rechtskräftig

Für Barki ist dagegen "die Beweiskette zusammengebrochen": Auf der Tatwaffe seien keine Spuren des Angeklagten gefunden worden und vor allem gäbe es keinen Hinweis auf ein Motiv.

Die Geschworenen folgen ihren Argumenten nicht: Nach rund drei Stunden Beratung sprechen sie E., nicht rechtskräftig, schuldig. Die Strafe: 18 Jahre Haft. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 14.3.2013)

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