Jüngling im Batikmeer

13. März 2013, 17:40
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Amelie von Wulffens Leinwände als demokratischer Malraum

Wien - Dem Prinzip Collage ist Amelie von Wulffen (geb. 1966) treu geblieben. Lediglich das Footage, also jene Fotografien, die sie in ihre Bilder integrierte und deren Wirklichkeitsausschnitte sie malerisch bisweilen bis ins Utopische weiterspann, ist verschwunden. Das, was früher hineingeklebt wurde, wird nun hineingemalt. Mit triftigem Grund: Schließlich geht es in der neuesten, bei Meyer Kainer präsentierten Werkserie von Amelie von Wulffen (einige der Bilder wurden 2012 im Aspen Art Museum gezeigt) auch um das Medium Malerei.

Auf diese Weise finden Fragmente verschiedener Epochen, verschiedene Stile und Techniken auf einer einzigen Leinwand Platz: Einen Fasan von Gustave Courbet platziert von Wulffen etwa mit einem ebenso mausetoten Schafskopf eines niederländischen Stilllebens auf einem geometrischen Muster. Ein Segelboot des Impressionisten Gustave Caillebotte durchkreuzt eine graublaue Fläche, in die allerlei schwarze Geisterfratzen den Qualm ihrer Rauchwaren blasen.

Aber die Künstlerin, von 2006 bis 2011 Professorin an der Wiener Akademie der bildenden Künste, zerpflückt nicht nur alte Meister, sondern eignet sich auch Elemente der Dekorationsmalerei oder Basteltechniken an. Alles wird ebenbürtig. Fast schon halluzinogen wirkt der Batikgrund, auf dem das Antlitz eines Jünglings (Hans von Marées) gebettet ist.

Bunte Farbflächen und Lackkleckse geben den Montagen Einheit, verschleiern aber niemals ihre Gemachtheit. Statt Malerei als Medium der Illusion vorzuführen, kitzelt Amelie von Wulffen deren höchst artifizielles, konstruiertes Wesen heraus. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 14.3.2013)

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