Jukic-Sperre von Gericht aufgehoben

13. März 2013, 20:20
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Verbandsgericht überschritt seine Kompetenzen - Olympia-Vierter kündigt hohe Schadenersatzforderungen an

Wien - "Es wird richtig hoch!" Dinko Jukic deutet an, was auf Österreichs Schwimmverband (OSV) zukommen könnte. Dessen Verbandsgericht hatte Jukic im August 2012 bis 23. Juni 2013 gesperrt, weil er im Mai bei der EM in Debrecen einen Funktionär beleidigt hatte. Jukic erzielte Ende November eine einstweilige Verfügung, am Mittwoch wurde die Sperre von einem Gericht in Wien überhaupt aufgehoben.

Begründung: Das Verbandsgericht habe keine Disziplinargewalt über Jukic. Darüber ließe sich streiten, jedoch hat OSV-Präsident Christian Meidlinger kürzlich erklärt, der OSV werde nicht berufen. "Wir respektieren das Urteil." Die weitere Vorgangsweise wird bei der OSV-Vorstandssitzung am nächsten Dienstag besprochen.

Womit Jukic Schadenersatzforderungen begründen könnte? Er sagt, er hätte erstens Sponsoren an der Angel gehabt, die abgesprungen seien. Und zweitens habe er wegen seiner Sperre den Kurzbahn-Weltcup auslassen müssen. Dieser lief von August bis Mitte November über acht Stationen, bei denen es jeweils bis zu 5000 US-Dollar zu verdienen gab. Der Gesamtsieger der Serie erhielt 100.000 Dollar. Ob der Gesamtsieg für Jukic möglich und sein Ziel gewesen wäre? "Natürlich", sagt er. Sein Anwalt Thomas Krankl sagt: "Stattdessen war Dinko monatelang gebrandmarkt."

Nächstes Problem: der Verein

Am 25. März tagt das Verbandsgericht übrigens schon wieder, dann geht es um den Ausschluss des Jukic-Vereins Austria Wien aus dem OSV. Der 24-Jährige, der bei Olympia 2012 als Vierter über 200 Meter Delfin ex aequo mit den Seglern Delle-Karth/Resch für das beste heimische Resultat gesorgt hatte, geht davon aus, dass er wieder recht bekommen wird - wenn nicht vom Verbandsgericht, so neuerlich auf zivilrechtlichem Weg. Jukic erwartet, "dass der Verband auf mich zukommt", und versteht nicht, "dass der Verband aus seinen Fehlern nicht lernt". Er werde sich bald wieder " voll aufs Schwimmen konzentrieren können. Das freut mich."

Zusammenraufen nicht ausgeschlossen

Jukic-Anwalt Krankl wundert sich, dass der OSV vor Gericht nur durch seinen Anwalt vertreten war und ein Vergleichsangebot ausschlug. "Im OSV sind keine Sportförderer, sondern Sportschädiger am Werk." Meidlinger wundert sich, dass sich Jukic für seine Beleidigung bis heute nicht entschuldigt hat. Gut möglich, dass Jukic und Meidlinger gemeinsam zur Schwimm-WM (ab 29. Juli) nach Barcelona reisen. "Wir wollen, dass Dinko Jukic in Barcelona schwimmt. Der OSV braucht Zugpferde", sagt Meidlinger. "Ich bin voll motiviert", sagt Jukic. (Fritz Neumann - DER STANDARD, 14.3. 2013)

  • Dinko Jukic (links neben ihm Anwalt Krankl) sagt, dass ihn seine Sperre viel Geld gekostet hat.
    foto: apa/pfarrhofer

    Dinko Jukic (links neben ihm Anwalt Krankl) sagt, dass ihn seine Sperre viel Geld gekostet hat.

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