42 Prozent sehen gute Aspekte an der Hitler-Zeit

12. März 2013, 19:10
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Aber Sehnsucht nach "starkem Mann" bedeutet nicht unbedingt Wunsch nach Diktatur

Die Sehnsucht der Österreicher nach einem "starken Mann" - der Standard berichtete über eine entsprechende Umfrage - dürfe nicht gleichgesetzt werden mit einem Wunsch nach einer Diktatur. Das sagt Werner Beutelmeyer, Chef des Linzer Market-Instituts.

Wohl aber gebe es - eher bei Männern als bei Frauen, eher bei älteren Befragten als bei Jungen - einen Wunsch nach klarer politischer Führung, was Figuren wie Frank Stronach, Heinz-Christian Strache oder auch Erwin Pröll begünstige.

Die Frage nach dem "starken Mann" wurde im Kontext einer Befragung über die aktuellen politischen Entwicklungen in Österreich gestellt. Nach der Kanzler- und der Sonntagsfrage wurde zunächst die Frage gestellt, ob man es gut findet, wenn in einem Land "nur eine einzige Partei herrscht und das Sagen hat" - was relativ deutlich abgelehnt wurde. Dokumentiert sind Fragestellung und Antwort in der Grafik.

Allerdings sagt auch jeder Zweite derjenigen, die die Herrschaft einer Partei ablehnen, dass ein "starker Mann" wünschenswert wäre. Eine weitere Frage befasste sich dann mit dem oft gehörten Argument, dass " Unter Hitler war nicht alles schlecht": Dem stimmen immerhin 42 Prozent zu - wiederum eher die Älteren.

Beutelmeyer relativiert auch hier. Zwar sei das Argument des unter alten und neuen Nazis besonders gut verankert - man müsse aber auch bedenken, dass "alles" eben sehr umfassend verstanden werden kann: "Ein DDR-Dissident hat einmal auf den unter kommunistischen Nostalgikern üblichen Hinweis, dass doch in der DDR nicht alles schlecht gewesen sei, die Geschichte erzählt, dass er vom DDR-Regime in Bautzen eingesperrt war. Auch in diesem Gefängnis wäre nicht alles schlecht gewesen, es hätte eine ausgezeichnete Küche gehabt. Aber das ändert halt nichts daran, dass es ein Gefängnis gewesen ist." Analog müsse man positive Aussagen über die Nazizeit relativieren.

Und dass 54 Prozent Chancen für die Nazis sehen, wenn sie bei Wahlen antreten dürften? Auch da beruhigt der Meinungsforscher: "Chancen haben" , das heiße ja nur, eine Chance auf vier Prozent und einen Parlamentseinzug zu haben. (cs, DER STANDARD, 13.03.2013)

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