"Wir sind dann in Wien festgesessen"

12. März 2013, 19:01
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Vier Konzentrationslager überlebt

Marko Feingold ist unermüdlich. Vor kurzem war er in Graz und hat vor Schülern gesprochen, davor in Eisenstadt. Auch dort hat er über sein Leben erzählt. "Oft werde ich gefragt, ob ich Adolf Hitler einmal begegnet bin. Da muss ich sie enttäuschen. Aber der Heinrich Himmler ist nach Buchenwald gekommen", erzählt er. Feingold wird am 28. Mai 100 Jahre alt - das hindert ihn weder an seiner Vortragstätigkeit noch daran, Präsident der Salzburger Israelitischen Kultusgemeinde zu sein.

Geboren wurde Feingold in Neusohl, damals noch zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörend, heute in der Slowakei liegend. Sein Geld verdient er sich als Handelsreisender. Die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Italien nutzte nichts, "die Grenzen waren ja dicht", erinnert er sich an die Tage nach dem "Anschluss". Er war gerade mit seinem Bruder in Wien: "Wir sind dann in Wien festgesessen." Es folgt die Verhaftung. "Gesucht haben sie den Vater. Uns haben sie mitgenommen - Sippenhaft", sagt Feingold. Er muss Österreich verlassen und geht in die Tschechoslowakei. Dort wird er im Mai 1939 von der Gestapo arretiert und kommt in das KZ Auschwitz, dann in das KZ Neuengamme, nach Dachau und schließlich nach Buchenwald. Am 11. April 1945 wird Marko Feingold von den Amerikanern befreit. (pm, DER STANDARD, 13.03.2013)

  • Marko Feingold: Als Zeitzeuge nach wie vor aktiv.
    foto: thomas trenkler

    Marko Feingold: Als Zeitzeuge nach wie vor aktiv.

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