"Alles war weg, es hat niemand überlebt"

12. März 2013, 18:56
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Vom Konzentrationslager auf den Todesmarsch

Seine Familie, erinnert sich Paul Grünberg, sei nicht sehr politisch gewesen: "Wir waren neutral." Beim "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 war der Wiener 15 Jahre alt. Grünberg absolvierte gerade eine Schneiderlehre. "Ich habe das damals gar nicht so wahrgenommen", erzählt er.

Noch im gleichen Jahr sollte der Terror beginnen: Sein Vater, Oskar, wird verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Dass er Veteran des Ersten Weltkrieges war, rettet ihn - Oskar Grünberg wird entlassen. Vorerst. Denn nicht einmal ein Jahr später folgt die zweite Verhaftung.

"Sie haben meinen Vater namentlich gesucht", erinnert sich Grünberg. Dann habe man gefragt, wer er denn sei. Der Sohn musste mit. Sie kommen in das KZ Buchenwald und müssen schwer im Steinbruch arbeiten: "Am 20. Juni 1940 ist mein Vater ,gestorben worden'."

Paul Grünberg bleibt bis 1942 in diesem Lager, dann wird er in das KZ Buna/Monowitz gebracht, 1944 muss er nach Jaworzno, einer Kohlegrube: " Als die Rote Armee immer näher kommt, wird das Lager aufgelöst und wir wurden auf den Todesmarsch geschickt." Paul Grünberg überlebt und wird gerettet. Er kehrt schließlich nach Wien zurück. Grünberg: "Alles war weg, es hat niemand überlebt."

Über das Erlebte kann Paul Grünberg heute noch schwer sprechen. Jedes Jahr nimmt er am Zeitzeugen-Seminar des Unterrichtsministeriums teil. Anders als andere Zeitzeugen erzählt er seine Geschichte "nur im kleinen Kreis". Grünberg: "Erstens regt mich das alles sehr auf. Und dann bin ich auch kein großer Redner." Wie sich die Geschichtsbetrachtung ändern wird, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? "Das kann ich mir gar nicht vorstellen", sagt er. (pm, DER STANDARD, 13.03.2013)

  • Paul Grünberg wurde mit seinem Vater verhaftet.
    foto: wollheim memorial

    Paul Grünberg wurde mit seinem Vater verhaftet.

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