"Hermine, du bist doch eine Germanin"

12. März 2013, 18:52
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Als Zeugin Jehovas aus der Familie gerissen

Selbst der morgendliche Gruß in der Schule konnte zum Verhängnis werden: Hermine Liska wächst am elterlichen Bauernhof in St. Walburgen in Kärnten auf. Ihre Eltern waren Zeugen Jehovas - die Erziehung ist auf den Glauben ausgerichtet. "Wir wussten, dass mit dem Einmarsch der Deutschen nichts Gutes kommt", erinnert sich die heute 82-Jährige. Deutsche Zeugen Jehovas hätten davon berichtet.

Die Nachricht vom "Anschluss" dringt verspätet zum Hof. Radio gibt es keines, ein Nachbar erzählt davon - am Tag eins als Ostmark. Vor der Schule habe der Direktor eine Rede gehalten. "Er hat davon gesprochen, dass wir nun goldenen Zeiten entgegen gehen", erinnert sie sich. Und dann war da der Gruß, der ab nun zu gelten hatte: "Hat ein Kind ,Guten Morgen' gesagt, musste es nochmals aus dem Gebäude rauslaufen und dann mit ,Heil Hitler' wieder hereinkommen." Das Mädchen verweigert. Viele Zeugen Jehova wurden verfolgt, weil sie den Hitlergruß wie auch den Wehrdienst verweigerten: 1938 gab es in Österreich 550 aktive Zeugen Jehovas, etwa ein Viertel wurde getötet.

Auch bei Liska reagiert das Regime: "Im Jänner 1941 wird mein Vater zum Jugendgericht beordert, er soll eine Erklärung auf Glaubensverzicht unterschreiben. Er lehnte ab, daraufhin haben sie meinen Eltern die Erziehungsberechtigung abgesprochen." Das Mädchen wird in ein " Umerziehungslager in Feldkirchen" (Kärnten) gebracht, später in ein Kloster nach München. "Hermine, du bist doch eine Germanin", habe es dort geheißen. Als München stark unter Beschuss der Alliierten steht, wird sie verschickt. Das letzte Kriegsjahr verbringt Liska bei einer Familie nahe Klagenfurt.

Heute erzählt sie ihre Geschichte an Schulen als Zeitzeugin, denn: " Sonst wird ja alles sofort vergessen." (pm, DER STANDARD, 13.03.2013)

  • Hermine Liska verweigerte den Hitler-Gruß.
    foto: mayr

    Hermine Liska verweigerte den Hitler-Gruß.

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