Gelbgierig: Der Winterling

19. März 2013, 17:04
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Der Winterling will viel Wasser und lehmige Böden. Dafür revanchiert er sich früh im Jahr als sonniger Farbteppich auf dem fahlen Rasen, weiß Gregor Fauma.

Jede Jahreszeit hat ihre optimale Tageszeit. Das ist so. Im März ist das eindeutig der Morgen. Die Sonne schickt so gegen Nullsechsfünfundvierzig milde, orange-rote Strahlen durch das Ostfenster zum Gärtner und schenkt ihm damit eine Erinnerung an die späten Sonnenuntergänge tief im August. Und so wie jede Jahreszeit eine optimale Tageszeit hat, hat sie auch ihre archetypischen Pflanzen.

Diese Pflanzen wären nichts Besonderes, würden sie auch zu anderen Jahreszeiten auftreten, wie zum Beispiel das omnipräsente Gänseblümchen oder die Vogelmiere. Und so will es der Lauf des Lebens, dass der Winterling schon ab Mitte Februar den durch Schnee und Kälte zum Bitterling mutierten Gärtner aus seinem Lamento befreit.

Man muss sich das ausmalen. Da stapft ein Griesgram nach Wochen der Enthaltsamkeit erstmals wieder durch seinen Garten, bringt ein wenig Ordnung in das herumliegende Klumpert, verflucht den gatschigen Boden und stierlt ein wenig im Laub herum. Da sieht er die kecken Winterlinge, gut von der Bartlilie geschützt, grellgelb und bester Laune, und lässt sich von diesen sofort anstecken. Erleichtert entfährt ihm ein Seufzer, und er sieht sich schon in Gedanken zum Gartencenter oder zur Gärtnerei rennen. Was der Winterling doch alles kann - Grund genug, diese Zeigerpflanze des frühen Frohgemuts einmal vor den Vorhang zu bitten.

Fast einheimisch

Im echten Leben hört der Winterling auf Eranthis hyemalis. Nach gut 500 Jahren des Wartens auf sein Bleiberecht, hat er nun in Mitteleuropa Wurzeln geschlagen; man könnte also von einer einheimischen Pflanze sprechen. Wobei, er kommt nun einmal aus dem Südosten Europas, und was weiß man. Da könnte ja ein jeder ... Wie auch immer.

Sein Fundament ist die Knolle. Eine Knolle, die in der Erde steckt, die nicht austrocknen darf und der Restpflanze als Speicher dient. Aus ihr bildet sich der grüne Teil der Pflanze heraus, aber erst, wenn die Bedingungen passen. Und die passen mitunter schon ab Mitte Februar. Wenn es dann ein paar Tage wärmer bleibt, wenn es so zwischen sieben und zehn Grad hat, dann sieht man auch schon die ersten Bienen und Hummeln an den Winterlingen. Man spürt förmlich die Gier, mit der sich die Nektarsammler auf die geöffneten Blüten stürzen. Sei es ihnen vergönnt, das Schweizerhaus im Prater sperrt ja dann auch wieder auf.

Der Blütenkopf des Winterlings ist gar entzückend. Er schwebt geradezu über einem hellgrünen, handartigen Blattwirtel - daran soll man den Winterling erkennen. Sagt dem Winterling sein Standort zu, so breitet er sich über die Jahre hin aus, und schon nach den ersten zehn Jahren kann man sich über eine richtige knallgelbe Decke im Schrebergarten freuen. Lehmiger Boden, ständig feucht und maximal der Sonne ausgeliefert - das liebt der Winterling.

Nach der Blüte sollten Sie ihm Zeit geben, abzublühen und seine Samen zur Reife zu bringen. Er streut sie noch vor dem Sommer aus. Der Winterling hat es auf diese Art geschafft, sich in die Herzen der Gärtnerinnen und Gartler zu blühen. Aber Obacht! Die Pflanze ist anständig giftig. Sie sollten Ihre Zuneigung nicht durch deren Verzehr zeigen. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 15.3.2013)

Der gute Tipp für Freunde des Winterlings:

Nach der Blüte die Reste der Pflanze stehen lassen - dann gibt es ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Die Winterlinge während des gesamten Sommers feucht halten.

Obacht beim eventuellen Umsetzen: Die gesamte Pflanze - und vor allem die Knolle - ist giftig.

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