Große Kleinkunst: "Streng vertraulich"

13. März 2013, 10:52
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Neues Programm im Theater an der Wien

Vor 107 Jahren wurde im Keller des Theaters an der Wien das Etablissement Die Hölle eröffnet, seit einigen Jahren erinnern Georg Wacks (Armin Berg Gesellschaft), Christoph Wagner-Trenkwitz und die Stammmannschaft des Letzten Erfreulichen Operntheaters in musikalisch-szenischer Form an die Größen der großen "Hölle"-Zeit im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Fazit vorab: Das neue Programm Streng vertraulich ist eines, das nach den letzten, atemberaubenden Krachern wieder etwas Luft nach oben lässt. Durchatmen lassen Nummern wie Man ist nur einmal jung (Bernauer/Fall), Gigerlette (Bierbaum/ Schönberg) oder Der kleine Wolf aus Olmütz (Grünbaum/Kreuder) - auch den L.E.O.-Kapazundern Elena Schreiber, Stefan Fleischhacker und Martin Thoma gelingen nicht jeden Tag überirdische Leistungen.

Letztere zeichneten mit den wundervollen Kostümen des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer (1916) für einen Höhepunkt verantwortlich, wie auch die gewohnt ins Fantastische ausschweifende Conférencierstätigkeit von Georg Wacks. Wundervoll auch, wie Elena Schreiber in Geben Sie Acht ganz in Schwarz den schwarzen Humor Georg Kreislers zum Leuchten bringt oder wie Wacks/Thoma/Fleischhacker in Kleiner Leutnant Annemarie die Frau im soldatischen Manne aufblitzen lassen und Wagner-Trenkwitz' witzigen Vortrag chorisch ergänzen.

Letzterer entwickelt sich immer mehr zur ersten Kraft dieser Unternehmung: Volksoper-Dramaturg Wagner-Trenkwitz kann mit einem Augenaufschlag einen Charakter entwerfen (etwa einen jungfräulich-lüsternen in Peter Altenbergs Neu Romantik) oder, wie in Fritz Löhner-Bedas Der Mittelstand, selbigen in einer Mischung aus schülerhaftem Gedichtaufsagen und bsoffener Gschicht bloßstellen. (end, DER STANDARD, 13.3.2013) 

Theater an der Wien, 13.,14.,16.3., 20.00

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