Deutsche Bundesbank mit wenig Gewinn

12. März 2013, 18:24
posten

Erträge auf Anleihen von Krisenstaaten massiv gestiegen, aber auch die Risikokosten

Frankfurt/Wien - Deutschlands oberster Zentralbanker, Jens Weidmann, bleibt zurückhaltend: "Die Krise ist noch nicht vorbei", sagte der Bundesbank-Präsident am Dienstag anlässlich der Präsentation des Jahresergebnisses der Notenbank. Und dieses Misstrauen in die aktuelle Ruhe an den Finanzmärkten findet sich auch in der Bilanz der Bundesbank. Denn die Geldpolitiker haben zwar 2012 deutlich mehr Geld verdient als im Jahr zuvor: der Netto-Zinsertrag hat sich um 73 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro erhöht.

Doch den Einnahmen aus der bis dato lukrativen Intervention an den europäischen Kapitalmärkten stehen auch gestiegene Risiken gegenüber. Mit dem Ankauf von Staatsanleihen im Rahmen des SMP-Programms etwa wurde Staaten wie Italien, Spanien oder Portugal geholfen. Die Bundesbank hat damit 2012 mehr als 2,8 Milliarden Euro verdient (2011 waren es 1,5 Mrd. ).

Risikovorsorge

6,67 Milliarden Euro an Risikovorsorgen hat die Deutsche Bundesbank für diese "allgemeinen Wagnisse" gebildet. Daher bleibt unterm Strich nur ein Gewinn von 664 Millionen Euro stehen, der an das Finanzministerium unter Wolfgang Schäuble abgeliefert wird. 2008 machte die Bundesbank noch über sechs Milliarden Euro Gewinn, 2010 immerhin noch 2,2 Mrd.

Schäuble, der den Gewinn für den Bundeshaushalt benötigt, hatte mit mehr als dem doppelten Betrag gerechnet. Für das laufende Jahr plant er zwei Milliarden Euro aus Frankfurt für seinen Etat ein. Im Finanzministerium hieß es am Dienstag, man gehe davon aus, dass die Phase extrem hoher Rückstellungen bei der Bundesbank zu Ende gehe. Daher erwarte man auch deutlich höhere Gewinne für das Finanzministerium.

In den vergangenen zwei Jahren haben die Notenbanker mehr als 10,7 Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet. Sowohl eine Auflösung der gebildeten Polster als auch die Verkäufe von Papieren, die im Laufe der Intervention am europäischen Kapitalmarkt gekauft wurden, könnten daher Milliardengewinne für das deutsche Finanzministerium bedeuten, vorausgesetzt die Eurokrise verschärft sich nicht. (sulu, Reuters, DER STANDARD, 13.3.2013)

Share if you care.