Wild, Wanderer und Wald kommen sich ins Gehege

13. März 2013, 05:30
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Mehr Menschen, mehr Rotwild, mehr Forstwirtschaft: Der Wald ist nicht selten Schauplatz regionaler Scharmützel

Wien - In den Wäldern tummelten sich zunehmend Skitourengeher, Wanderer und Erholungssuchende. Zugleich wachse der Wildbestand. Auch die Forstbewirtschaftung werde aufgrund der starken Holznachfrage intensiviert. Felix Montecuccoli spielt Konflikte in Österreich rund um den freien Zugang zur Natur nicht herunter.

Es vergehe kein halbes Jahr, in dem der Wald nicht für neue Freizeitbeschäftigungen genutzt werde, sagt der Präsident der Land & Forst Betriebe. Dass die Wanderer und Bergsteiger dabei zunehmend auf forstliche Sperrgebiete stoßen, lasse sich aus Sicherheitsgründen nicht verhindern. Die Gefahr, die von Holzarbeit ausgehe, sei groß.

Regulative

Wolle man die Interessen von Mensch, Tier wie Forstwirtschaft wahren, brauche es eben Regulative. Auch was das Wild betrifft: Der laufende Zuwachs sei mittlerweile "ein massives Problem". Vor allem in der Steiermark fehle es an Jägern, sagt Montecuccoli. Es seien neue Systeme bei der Beurteilung von Waldschäden und neue Jagdstrategien gefragt.

Die von Tierschützern stark kritisierten Treibjagden hält er dabei für eine probate Methode, um die steigende Wildpopulation in den Griff zu bekommen.

Dass der Trend zu Mondscheintour und Fackelwanderung für das Wild nicht ideal sei, liege auf der Hand, sagt Willi Seifert, beim Al- penverein für Raumplanung und Naturschutz zuständig. Es müsse aber weiter die freie Betretbarkeit der Wälder gewährleistet bleiben. Teils bedenkliche Entwicklungen sieht Seifert in Vorarlberg, wo ei- nerseits Skigebiete zusammengeführt würden, andererseits großflächigere Wildschutzgebiete entstünden. In der Steiermark machten sich private Großgrundbesitzer für ihre Jagdinteressen stark.

In steirischen Tourenforen lassen angedrohte Besitzstörungsklagen einzelner privater Forstbesitzer die Emotionen hochgehen. Es gebe immer wieder Grundeigentümer, die Wanderer ungern auf ih- rem Besitz sehen, sagt Rene Styx, Geschäftsführer der Naturfreunde Steiermark, "und manchmal treffen dabei eben Sturschädel aufeinander". In der Regel erlebe er jedoch gutes Übereinkommen und viel Kompromissbereitschaft, vor allem bei den Bundesforsten.

Lust auf Grund und Boden

Dass Grund und Boden in Zeiten der Inflationsängste verstärkt große Privatinvestoren anziehen, die, wie Landwirte klagen, oft wenig Interesse an nachhaltiger Bewirtschaftung haben, beunruhigt Montecuccoli nicht. Da und dort sei der Markt überhitzt, und manchen alteingesessenen Waldbesitzern werde plötzlich zu Unrecht fiktiver Reichtum unterstellt. Im Grunde jedoch "ist es gut, wenn in eine Branche investiert wird".

Von regionalen Scharmützeln mit Jägern und der Freizeitwirtschaft abgesehen, stehen die Zeichen für Österreichs Forstwirte günstig. Seit vier Jahren suchten ihre Wälder keine großen Stürme mehr heim. Etwas höherer Holzeinschlag und leichte Preissteigerungen bei Nadelhölzern sorgen für Stabilität. Im Vorjahr stieg der Umsatz der Forstbetriebe um ein Prozent auf 1,75 Milliarden Euro. Scharfe Kritik übt Montecuccoli an der Rail Cargo: Die ÖBB-Tochter wolle offenbar kein Holz transportieren, was die Industrie dazu zwinge, auf die Straße auszuweichen. Dass es für sie, wie die ÖBB meine, kein Geschäft sei, liege sicher nicht an fehlenden Mengen.

Sorgen bereiten der Holzbranche Einbrüche bei den Exporten. In der Sägeindustrie macht Montecuccoli nach wie vor große Überkapazitäten aus. Die ab heuer geltende EU-Verordnung, die illegale Holzimporte unterbinden soll, führt aus seiner Sicht nur zu mehr Papierkrieg für Europas Forstwirte. "Sie bewirkt nichts." Illegal geschlägertes Holz werde eben künftig verbrannt statt verkauft. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 13.3.2013)

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    1,75 Milliarden Euro schwer ist der Produktionswert der österreichischen Forstwirte. Stürme hat die Branche seit Jahren nicht erlebt, auch der Schneebruch hielt sich heuer in Grenzen. 

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