Damit der Kohlenstoff im Speicher bleibt

12. März 2013, 18:12
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Trockengelegte Moore, die landwirtschaftlich genutzt werden, schaden dem Klima durch erhöhten CO2-Ausstoß - In Österreich sind Moore großteils geschützt

Moore haben einen zwiespältigen Ruf: Die Palette reicht von gruseligen, unbrauchbaren Nassecken bis zum Naturjuwel. In Wirklichkeit sind sie nicht nur Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen, sondern auch riesige Wasser- und Kohlenstoffspeicher.

Ein großer Teil der heutigen Moorflächen in Österreich entstand vor rund 10.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit. Die Gletscher hinterließen auf ihrem Rückzug vielerorts flache Schmelzwasserseen, die in der Folge durch abgestorbene Pflanzenreste verlandeten. Dabei entstand zuerst ein nährstoffreiches Niedermoor, das mit dem Grundwasser noch in Verbindung war. Durch das Wasser im Boden und den dadurch bedingten Sauerstoffmangel wird das abgestorbene Pflanzenmaterial nur unvollständig abgebaut, sodass es im Laufe von Jahrtausenden meterdicke Schichten - den Torf - bilden kann. Koppeln sich diese Schichten im Lauf der Zeit vom Grundwasser ab, wird die Mooroberfläche sehr nährstoffarm, und die Wasserzufuhr erfolgt nur noch durch Niederschläge. In diesem Fall spricht man von einem Hochmoor.

Heimat der Smaragdlibelle

Ihre größte Ausdehnung erreichten Moore in Mitteleuropa vor rund 300 Jahren, danach ging es mit ihnen stetig bergab: Torfabbau und Trockenlegungen führten dazu, dass sie in Österreich heute nur noch etwa zehn Prozent der ursprünglichen Fläche einnehmen, nämlich rund 21.000 Hektar. 1700 davon, verteilt auf knapp 500 Moorflächen, befinden sich im Besitz der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), die sie 1993 kategorisch unter Schutz stellten. In einem kürzlich abgeschlossenen Projekt wurde in sechs ausgewählten Mooren im oberösterreichischen Salzkammergut unter anderem auch die ansässige Fauna erhoben.

Dabei zeigte sich, dass Moore keineswegs so unwirtlich sind, wie oft angenommen wird: Insgesamt 332 Tierarten fanden Wissenschafter auf den Untersuchungsflächen, darunter eine Menge Raritäten und vom Aussterben bedrohte Tiere wie etwa die Fischende Piratenspinne, die Arktische Smaragdlibelle, die Sumpfschrecke oder der Hochmoor-Perlmuttfalter.

Die Wasserspeicher

Moore sind jedoch nicht nur aus Sicht des Natur- und Artenschutzes bedeutsam, sondern auch in Hinblick auf Wasserspeicherung und das Umweltthema Nummer eins, den Klimawandel. Dank ihrer schwammartigen Beschaffenheit speichern sie weltweit circa zehn Prozent des gesamten Süßwassers. Und durch mangelhaften Abbau organischer Substanzen stellen die Moore enorme Kohlenstoffsenken dar: Weltweit gesehen, nehmen Moore nur drei Prozent der Landfläche ein, speichern aber in ihren mächtigen Torfschichten rund ein Drittel des gesamten Kohlenstoffs, der weltweit in Böden vorliegt.

Auch die noch vorhandenen Moore Österreichs speichern zehnmal so viel Kohlenstoff wie unsere Wälder auf derselben Fläche. Werden Moore allerdings trockengelegt, verwandeln sie sich in Kohlenstoffschleudern, denn unter Sauerstoffeinwirkung wird der Kohlenstoff abgebaut, und das dabei entstehende CO2 entweicht in die Atmosphäre. Und trockengelegt wurden sie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts massiv - um Boden für Wiesen, Weiden und Äcker zu gewinnen, in jüngerer Zeit auch für touristische Zwecke wie Golfplätze oder Skipisten. Solche Eingriffe gibt es nach wie vor, wenn auch deutlich seltener als früher. "Moore gehören zu den billigsten Flächen", gibt Gerald Plattner, Initiator und Betreiber der ÖBf-Moor-Initiative, zu bedenken, fügt jedoch hinzu: "Es ist aber doch ein Umdenken erfolgt."

Schließen der Gräben

Entwässerte Moore können wiederhergestellt werden, wenn es gelingt, sie erneut zu vernässen. Die wichtigste Maßnahme dafür ist das Schließen der Drainagegräben. Die Bundesforste verwenden dafür Lärchenbretter, "weil die Lärche sehr widerstandsfähig sowohl über als auch unter Wasser ist", wie Plattner ausführt. Die Bretter werden quer zu den Abflussgräben eingeschlagen, verkeilen sich, quellen im Wasser auf und dichten praktisch sofort. Ihre Haltbarkeit beträgt mindestens 20 Jahre - bis dahin sollten die Gräben so verlandet sein, dass sich das Moor auch von selbst dicht hält. Wo die Moore als Weiden verwendet wurden, kann es auch nötig sein, das Vieh mit Zäunen fernzuhalten.

Das Hauptproblem in puncto CO2-Ausstoß sind landwirtschaftlich genutzte, ehemalige Moorböden. "In den österreichischen Talsohlen gab es früher riesige Moorflächen", erzählt Moorexperte Gert Michael Steiner von der Universität Wien. Der größte Teil davon wurde durch Entwässerung urbar gemacht: Geschätzte 60 Prozent dieser Böden werden als Acker genutzt, 30 Prozent als Grünland und zehn Prozent als Weideland. "Klimatisch gesehen, sind das immer noch Hämmer", wie Steiner betont. Sinkende Grundwasserspiegel einerseits und die Bodendurchlüftung durch Pflügen andererseits führen auf Ackerflächen dazu, dass der in ehemaligen Moorböden gelagerte Kohlenstoff frei wird.

Äcker umwandeln

Um das zu verhindern, sollten Äcker auf ehemaligen Moorböden schrittweise in weniger intensive Nutzungsformen wie etwa Wiesen oder Weiden umgewandelt werden, wie eine Studie des Umweltbundesamts empfiehlt. Dazu wäre es allerdings auch nötig, entsprechende finanzielle Anreize für die betroffenen Landbesitzer zu schaffen. Um Moorböden auch in den internationalen Emissionshandel einbeziehen zu können, müssten sie außerdem vom IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, Uno-Weltklima-Rat) als eigenständige Landnutzungskategorie anerkannt werden. Bisher gelten dort nur Wälder als Kohlenstoffsenken.

In der Zwischenzeit gilt die Hauptsorge des Klimaschutzes den riesigen Mooren Südostasiens, vor allem Indonesiens. Dort fallen jedes Jahr gewaltige Flächen der Brandrodung, dem Reisanbau und Palmölplantagen zum Opfer. 1997 brannten auf Borneo neun Mio. Hektar Sumpfwald ab und entließen 800 Mio. Tonnen CO2 in die Atmosphäre - das ist mehr als der Gesamtausstoß Österreichs in den vergangenen 30 Jahren. (Susanne Strnadl, DER STANDARD, 13.03.2013)

  • Mit einem Damm wird zum Beispiel dieses Hochmoor im Salzkammergut renaturiert.
    foto: öbf

    Mit einem Damm wird zum Beispiel dieses Hochmoor im Salzkammergut renaturiert.

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