Rosneft schwärzt Gasprom an

12. März 2013, 17:57
posten

Staatskonzerne ringen um Rohstoffe vor der Küste

Moskau - Der Machtkampf zwischen den beiden russischen Energieriesen Rosneft und Gasprom hat begonnen: Rosneft versucht seinem Kontrahenten riesige Lagerstätten vor der russischen Küste abzujagen und schwärzt Gasprom daher bei der Regierung an. In einem Brief von Rosneft-Vizechef Nikolai Lawerow an den Bodenschatzminister Sergej Donskoi heißt es, Gasprom plane nicht, die Rohstoffe auf dem Schelf selbstständig zu erschließen, sondern handle im Interesse ihrer Öl-Tochter Gaspromneft. Gaspromneft entspreche aber nicht den Kriterien für die Ausbeutung der Öl- und Gasfelder auf See.

Der Einsatz bei dem Wettpokern ist enorm hoch. Perspektivisch geht es um den Rohstoffreichtum in der Arktis, auf den Moskau Anspruch erhebt. Russische Wissenschaftler schätzen die Vorräte auf etwa 100 Milliarden Tonnen an Kohlenwasserstoffen, in erster Linie Öl und Gas. Zum Vergleich: Das würde den Öl- und Gasverbrauch Österreichs für rund 5000 Jahre decken.

Selbst die rechtlich unumstrittenen Lagerstätten nahe der russischen Küste versprechen gewaltige Gewinne, weshalb die Staatskonzerne Rosneft und Gasprom die Beute unter sich aufteilten - anderen Konzerne erteilte die russische Regierung von vornherein keine Lizenz für die Erschließung.

43 Lizenzen hat Rosneft bereits, doch das reicht dem Konzern nicht. Weitere acht Lagerstätten sollen heuer dazu kommen. Zudem erhebt Rosneft Anspruch auf etwa 20 Lizenzen, die Gasprom versprochen wurden. Es handelt sich um die Lagerstätten, die Gasprom laut Lawerow für seine Tochtergesellschaft geholt hat.

Streit unterschiedlicher Clans

Offiziell unterstehen sowohl Rosneft, als auch Gasprom dem russischen Staat, doch werden die beiden Konzerne von unterschiedlichen Clans kontrolliert: Bei Rosneft hat Putins Vertrauter Igor Setschin das Sagen. Er gilt inzwischen als der mächtigste Mann der sogenannten Geheimdienstler-Fraktion und soll auch damals die Attacke gegen Yukos geleitet haben, auf deren Ruinen Rosneft aufgebaut wurde.

Gasprom hingegen wird eher dem Flügel um Ministerpräsident Dmitri Medwedew zugerechnet, der jahrelang Aufsichtsratschef bei dem Konzern war Gasprom-Chef Alexej Miller ist zwar Putin treu ergeben, doch mit Setschin verbindet den Manager seit der geplatzten Fusion zwischen beiden Konzernen 2004 eine herzliche Feindschaft. (ab, DER STANDARD, 13.3.2013)

Share if you care.