"Alle hinaus": Konklave tagt in absoluter Abschottung

Am Dienstagnachmittag sind die 115 wahlberechtigten Kardinäle der katholischen Kirche zu einem ersten Wahlgang in die Sixtinische Kapelle eingezogen. Mit dem Aufsteigen von weißem Rauch und einem neuen Papst wird aber erst in den nächsten Tagen gerechnet.

Das Konklave gilt als geheimnisvollste Wahl der Welt und zieht jedes Mal Millionen in seinen Bann. Seit Dienstagabend sind in Rom wieder hunderte Kameras auf den Kamin gerichtet, der aus dem Dach der Sixtinischen Kapelle ragt. Nach einem Ritual, das ins Jahr 1059 zurückreicht, bleibt deren Tor geschlossen, bis ein neuer Papst gefunden ist. Den 115 Kardinälen in der Kapelle ist jeder Kontakt zur Außenwelt untersagt, eine Verletzung des Wahlgeheimnisses wird mit Exkommunikation bestraft. Für die Dauer der Wahl ist ihnen verboten, was heute selbstverständlich ist: Computer, Internet, Handys, Zeitungen.

Nach einer öffentlichen Messe im Petersdom, bei der Kardinal Angelo Sodano dem zurückgetretenen Papst "tiefen Dank" aussprach, zogen die Kardinäle um 16.30 Uhr in feierlicher Prozession in die Sixtinische Kapelle ein. Mit dabei auch Erzbischof Georg Gänswein, der Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., der als Präfekt des Päpstlichen Hauses zu den ranghohen Kurienbeamten gehört, deren Teilnahme vorgesehen ist. Direkt nach dem Einzug und dem Eid zu absoluter Geheimhaltung forderte der päpstliche Zeremonienmeister Guido Marini mit einem "Extra omnes" alle Unbeteiligten zum Verlassen der Kapelle auf.

Um 19.42 Uhr stieg schwarzer Rauch aus der Sixtina auf. Dass in der ersten Runde keiner der Anwärter auf das höchste Kirchenamt die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 77 Stimmen erreichen konnte, galt schon davor als sicher. Dennoch harrten trotz Regens tausende Gläubige am Peterplatz aus. Vatikan-Experten halten ein konkretes Ergebnis erst ab Mittwochabend für wahrscheinlich.

Scola gegen Scherer

Nach Indiskretionen italienischer Medien könnte der Mailänder Erzbischof Angelo Scola im ersten Wahlgang 40 bis 50 Stimmen erreichen, sein von der römischen Kurie unterstützter Gegenspieler Odilo Scherer nur rund die Hälfte. Je zehn bis 15 Stimmen werden dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan und dem Kanadier Marc Ouellet zugetraut. Ihre Stimmen stammen weitgehend aus demselben Reservoir wie jene von Scola.

Bei der letzten Kongregation vor dem Konklave stand die Vatikanbank IOR im Mittelpunkt erregter Diskussionen. Staatssekretär Tarcisio Bertone, der dazu einen Bericht abgab, musste sich scharfe Kritik anhören und wurde von Scherer in Schutz genommen. Die umstrittene Bank gehört zu den vordringlichen Themen einer Reformagenda, die für jeden künftigen Papst unvermeidbar scheint. Auch eine IOR-Abschaffung wird erwogen.

Als unbestritten wichtigster Punkt gilt eine umfassende Reform der römischen Kurie, die in den vergangenen Jahren eher durch Intrigen als durch Effizienz aufgefallen ist. Dem mächtigen Staatssekretär soll ein Kollegium zur Seite stehen. Um eine Überforderung zu vermeiden, könnte auch der Papst bei seinen Entscheidungen durch ein Gremium von Bischöfen unterstützt werden. Ein weiteres, öffentlichkeitswirksames Thema ist der Kampf gegen die Pädophilie. Die langwierigen Verhandlungen mit den Traditionalisten sollen eingestellt werden. Als brisantes Thema gilt auch das Verhältnis zum Islam.  (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 13.3.2013)

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