Studierende forschen zur NS-Vergangenheit

12. März 2013, 17:30
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ÖH-Sammelband beleuchtet die Geschichte der Hochschulen zwischen 1933 und 1945

Welchen Einfluss hatte der Nationalsozialismus auf die Wissenschaft? Wie gingen Entlassungen von Professoren und deren Nachbesetzungen vonstatten? Welche Rolle spielten Studierendenvertretungen im Nationalsozialismus? - Fragen wie diese sollten vergangenes Semester im Zuge des Projekts "Hochschulen im Nationalsozialismus" beantwortet werden. Anfang Mai wird der daraus resultierende Sammelband Österreichische Hochschulen im 20. Jahrhundert - Austrofaschismus, Nationalsozialismus und die Folgen präsentiert. der Standard hat die Publikation vorab gelesen.

Das Ziel der Kooperation der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) und den Universitäten Wien, Graz, Innsbruck, Salzburg, Mozarteum, der Technischen Uni Wien, der Musik-Uni und der Universität für Bodenkultur war die gemeinsame Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit an den jeweiligen Universitäten. In eigens konzipierten Seminaren wollte die ÖH vor allem Studierenden die Möglichkeit bieten, selbst zur Geschichte ihrer Uni zu forschen und zu publizieren. Dabei sollten gerade Hochschulen erreicht werden, die kein eigenes Zeitgeschichte-Institut haben, sagt ÖH-Vorsitzender Martin Schott.

Aus den studentischen Seminararbeiten der Lehrveranstaltungen entstand eine mehr als 300-seitige Publikation. Diese versucht in 30 Beiträgen Brüche und Kontinuitäten sowie die Einflussnahme der Nationalsozialisten auf Lehre und Forschung aufzeigen. Aber auch die heutige Erinnerungskultur und Gedächtnispolitik an den einzelnen Hochschulen wird von den Studierenden kritisch beäugt.

Rolle der Studierenden

In der Geschichtsaufarbeitung setzt der Sammelband einen besonderen Schwerpunkt auf die Aktivitäten der Studierenden in dieser Zeit sowie auf ihre Vertretungen. "Es war uns wichtig, dass wir nicht nur die Unis als Institution betrachten, sondern auch die Studierenden selbst und die Dynamik unter ihnen", sagt Schott: "Sie hatten eine tragende Rolle im Nationalsozialismus - wie etwa Übergriffe auf jüdische Mitstudierende zeigen -, die man nicht ausblenden darf." (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 13.03.2013)

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