Projekt soll Licht in St. Pöltens dunkle Ecken bringen

13. März 2013, 16:51
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Erstes Sicherheitsaudit von Stadt und Kuratorium für Verkehrssicherheit für Grätzel in Landeshauptstadt

St. Pölten - Aus Sicht der Polizei ist es kein berüchtigtes Viertel St. Pöltens. Und der Großteil der Bewohner des Areals zwischen Leobersdorfer Bahnstraße, Pernerstorferstraße, Mariazeller Straße und Grillparzerstraße lebt gerne dort: Rund 80 Prozent gaben in einer Befragung an, zufrieden zu sein. Mehr als die Hälfte führte aber auch an, sich dort beim Herumgehen nach Einbruch der Dunkelheit unsicher zu fühlen.

Was genau dazu führt und wie man dem entgegenwirken kann, hat sich die St. Pöltner Stadtgemeinde mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in einem Pilotprojekt angesehen. Ähnliches gab es bisher in englischen und deutschen Städten, etwa Leverkusen und Bonn.

Umfrage und Experteninterviews

Das untersuchte Stadtviertel südlich des Zentrums ist ein dicht bebautes Grätzel mit wenigen Freiräumen und eher dürftiger Infrastruktur, wo 1742 Einwohner leben, davon 70 Prozent im erwerbsfähigen Alter. Nach Untersuchung der Bevölkerungsstruktur und des Flächenwidmungsplanes haben KFV und der Fachbereich Stadtplanung des Magistrats Fragebögen an die Haushalte verschickt, von denen gut ein Zehntel (113 Stück) retour kam - laut Christian Kräutler vom KFV angesichts des Umfangs der Fragebögen ein hoher Wert.

Zusätzlich gab es sechs Experteninterviews, zum Beispiel mit dem Polizeichef und Sozialarbeitern. Mit Bewohnern fanden dann zwei Begehungen des Gebiets statt - einmal tagsüber, einmal nachts -, in denen die Bürger dunkle Ecken und Problempunkte benannten.

Besseres Licht und mehr Freifläche

88 Maßnahmen stehen nun auf der To-do-Liste der Stadt: Vom Heckenschneiden im Park über besseres Licht in einer Unterführung bis Gehsteigumbauten und den möglichen Kauf eines Grundstücks durch die Stadt, um mehr Freifläche zu schaffen.

"Das sind nicht Dinge, die unrealistisch und nicht finanzierbar sind", sagt Bürgermeister Matthias Stadler, der meint, vieles sei ohne Sonderbudget realisierbar. Die Studie habe St. Pölten zirka 10.000 Euro gekostet, auch das KFV übernahm Kosten, da es erstmals ein derartiges Sicherheitsaudit durchführte. Insgesamt rechnet Stadler mit Kosten in Höhe von "ein paar hunderttausend Euro". Diese Veränderungen führen laut Kräutler vom KFV dazu, dass nicht nur das Sicherheitsgefühl, sondern auch die objektive Sicherheit steige. Weitere Städte in Österreich sollen an dem Projekt Interesse haben. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 13.3.2013)


  • Vier von fünf Bewohner sind in ihrem Grätzel im Südwesten St. Pöltens zufrieden. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen trotzdem erhöhrt werden.
    karte: google maps

    Vier von fünf Bewohner sind in ihrem Grätzel im Südwesten St. Pöltens zufrieden. Die Sicherheitsmaßnahmen sollen trotzdem erhöhrt werden.

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