Astronauten-Kot als Schutzschild gegen Weltraumstrahlung

13. März 2013, 16:53
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Im Rahmen von Dennis Titos Stiftung "Inspiration Mars" werden auch eher praktische als ästhetische Ideen ausgearbeitet - wie die "Wasserwand"

Washington - Ende Februar überraschte der US-amerikanische Geschäftsmann Dennis Tito, einst der erste Weltraumtourist der Raumfahrtgeschichte, mit einer ehrgeizigen Vision: Finanziert über eine Privatstiftung, soll im Zeitraum 2018/2019 ein bemannter Vorbeiflug am Mars auf die Beine gestellt werden (wir berichteten). Der Name der Stiftung: "Inspiration Mars".

Ähnlich poetisch klingt der Name eines dazugehörigen Projekts: "Water Walls". Das Ästhetische hat in der bemannten Raumfahrt aber außer in der Namensgebung selten Priorität - die liegt eindeutig auf dem Praktischen. "Water Walls" ist eine Idee, wie sich Recycling und Schutz vor Weltraumstrahlung - beides zentrale Problemfelder bei einem langen Aufenthalt im All - zu einem funktionellen Ganzen verbinden lassen.

Die Wasserwand

Wasser bietet einen hervorragenden Schutz gegenüber Weltraumstrahlung, besser als Metall. Daher soll das für die Marsreise benötigte Trinkwasser entlang der Außenwände des Raumschiffs platziert werden. Ebenso die Nahrungsvorräte: Sie blocken die Strahlung lediglich ab, es besteht keine Gefahr, dass sie ihrerseits gesundheitsschädigend verstrahlt werden.

Das ist aber nur die erste Bauphase der Wasserwand. Im Verlauf der Reise würden die Beutel mit Trinkwasser sukzessive durch solche ersetzt, in denen die Ausscheidungen der Marsreisenden gesammelt wurden. Nachdem Kot und Urin der Astronauten die größtmögliche Wassermenge entzogen wurde, um daraus neues Nutzwasser zu recyceln, sollen die Überreste als neue "Ziegel" in der Wasserwand dienen.

Schöne Aussicht

Schon heute müssen ISS-Besucher damit leben, dass die Luft an Bord der Weltraumstation ziemlich muffig ist. Die Teilnehmer des Mars500-Experiments machten ähnliche Erfahrungen. Der angehäufte Kot dürfte die Luftqualität an Bord des Marsschiffs nicht besser machen - an den Details wird daher noch getüftelt.

Bleibt noch die Frage der Optik. Dazu sagte "Water Walls"-Mitarbeiter Taber MacCallum gegenüber dem "New Scientist" nur: "Hoffentlich sind es keine durchsichtigen Beutel." (red, derStandard.at, 13. 3. 2013)

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    War in viereinhalb Jahrzehnten "Star Trek" eigentlich jemals eine Weltraumtoilette zu sehen? So jedenfalls sieht die Wirklichkeit an Bord der ISS aus. Auf einem bemannten Marsschiff würde in einer solchen Einrichtung so ganz nebenbei an einem Strahlenschirm "gearbeitet" werden.

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