Enzyme können Pilzgifte im Tierfutter abbauen

16. März 2013, 17:32
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Wissenschafter vom österreichischen Kompetenzzentrum ACIB entwickelten und optimierten Enzymproduktionslinie

Wien/Graz - Die Tonnen mit Pilzgiften verseuchten Futtermittel, wie sie für Aufregung im Lebensmittelbereich sorgen, müsste es technisch gesehen gar nicht mehr geben, meint das österreichische Kompetenzentrum für industrielle Biotechnologie in Graz (ACIB). Gemeinsam mit einem niederösterreichischen Unternehmen wurde eine Methode entwickelt, um eine Reihe von Mykotoxinen in Getreidesorten enzymatisch abzubauen.

Mykotoxine, wie Pilzgifte in der Fachsprache genannt werden, können in allen Arten von Getreide und Futterpflanzen gefunden werden, die für Nahrung und Futtermittel produziert werden. Sie sammeln sich bei der Ernte auf dem Feld, während des Transports und bei unsachgemäßer Lagerung der Futtermittel bzw. der Getreidenahrung. Die toxische Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können bei Tieren Schaden anrichten, aber auch über Milch, Fleisch und Eier an die Konsumenten gelangen. Diese Risiken können durch vorsorgliche Behandlung von Tierfutter mit Enzymen verhindert werden, hieß es vonseiten des Kompetenzzentrums in Graz.

Die Enzyme deaktivieren die Pilzgifte, schilderte Dieter Moll, Forschungsgruppenleiter bei Biomin, einem niederösterreichischen Unternehmen, das sich auf die Erzeugung von Futtermittelzusätzen spezialisiert hat. Das Unternehmen und die ACIB-Forschungsgruppe in Wien haben gemeinsam einen Hefestamm entwickelt, der mehrere dieser Enzyme schnell und in großen Mengen produzieren kann. Die Enzyme können dem bis zu bestimmten Grenzwerten verunreinigten Futter beigemischt werden. Die toxischen Substanzen werden dann im Verdauungstrakt der Tiere gebunden und abgebaut. "Da die Giftstoffe durch diese Enzyme vollständig abgebaut werden, können sie ihre giftige Wirkung nicht mehr entfalten", so Moll.

Tonmineralien gegen Aflatoxine

Konkret wurden Produktionslinien für die Herstellung von Enzymen entwickelt, und zwar gegen Fumonisin B1, das beim Menschen embryonale Fehlbildungen und Krebs hervorrufen kann, Deoxinivalenol - es stört das Immunsystem - und Zearalenon, ein weitverbreitetes Mykotoxin in der Schweinezucht, das östrogene Wirkung hervorruft. Bei den aktuell aufgetretenen Fällen von Futtermittelverunreinigung wurden Aflatoxine gefunden, die laut Moll nicht mit Enzymen, aber gut mit Tonmineralien gebunden werden können.

ACIB-Projektleiter Diethard Mattanovich erklärte: "Die Kooperation geht weiter. Wir verbessern das Produktionssystem, um die Enzyme kostengünstiger herstellen zu können und werden es auf andere Enzyme erweitern." Das Ziel sei, möglichst viele Mykotoxine enzymatisch entschärfen zu können. (APA/red, derstandard.at, 16.03.2013)

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