Slowakei: Hälfte würde unter Durchschnittslohn arbeiten

12. März 2013, 15:24
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Sozialsystem demotiviert Arbeitsuchenden, behaupten dennoch Experten

Bratislava - Mehr als die Hälfte der Slowaken ist bereit, für weniger als den Durchschnittslohn von 780 Euro brutto im Monat zu arbeiten. Sechs Prozent geben sogar an, sie würden auch einen Job annehmen, in dem sie weniger als den Mindestlohn bekommen - dieser liegt dabei aktuell nur bei 337 Euro brutto im Monat. Das geht aus den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage der Agentur Focus und des Arbeitsportals profesia.sk hervor, berichtet die slowakische Tageszeitung "Sme" am Dienstag. Die Slowakei kämpft seit Jahren trotz eines relativ guten Wachstums mit hohen Arbeitslosenraten.

Nur ein Zehntel der Slowakei würde hingegen keinen Arbeitsplatz annehmen, in dem ihnen ein Bruttogehalt von weniger als 1.000 Euro monatlich angeboten wird. Laut Angaben des slowakischen Statistikamtes lagen aber im Vorjahr nur Verdienste im IT-Bereich und Energiesektor über dieser Grenze. Unterdurchschnittlich werden hingegen Arbeitnehmer meist im Bauwesen, Verkehr, Kleinhandel oder Gastronomie bezahlt. Tatsächlich arbeiten über 60 Prozent der slowakischen Arbeitnehmer in Branchen mit unterdurchschnittlichen Verdienstmöglichkeiten, erklärte Tatiana Sykorova von der Beraterfirma McRoy dem Blatt.

"Probleme, offene Stellen zu besetzen"

Experten sind dennoch überzeugt, dass das staatliche Unterstützungssystem auch bei einer Arbeitslosenrate von knapp 15 Prozent oft die Arbeitslosen demotivieren würde, einen Job im Niedriglohnbereich anzunehmen. Wer auch die niedrigste mögliche Arbeitslosenunterstützung bezieht, bekommt dann als Arbeitnehmer mit Mindestlohn nur knapp 100 Euro mehr, wobei seine Auslagen wie Reisegeld natürlich steigen.

"Auch deshalb haben wir sogar in einigen Hunger-Regionen immer noch Probleme, offene Stellen zu besetzen," so der Direktor der Beratergesellschaft Adecco, Tomas Jurik. Das Sozialministerium meint hingegen, die Slowakei hat ein eher strenges System: Arbeitslose haben Anspruch nur auf die Hälfte ihres vorherigen Verdienstes, auch werden Arbeitslosengelder nur sechs Monate lang und damit kürzer als in den meisten europäischen Ländern ausgezahlt. (APA, 12.3.2013)

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