Kollision der Milchstraße mit Kleingalaxie könnte riesige "Fermi-Blasen" erzeugt haben

17. März 2013, 17:52
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US-Astronominnen glauben, dass die Schwarzen Löcher in den Zentren der beiden Galaxien verschmolzen und dabei enorme Energien freisetzten

Washington - 2010 ging ein Bild um die Welt, das zwei gigantische violette Blasen zeigte, die aus dem galaktischen Zentrum weit "unter" und "über" die Milchstraßenscheibe in den intergalaktischen Raum hinausragen. Das Violett war natürlich nur ein Kunstgriff des Illustrators, um das eigentlich unsichtbare Phänomen kenntlich zu machen. Doch die Form entsprach dem, was US-Astronomen mit Hilfe des als hochauflösender Gammastrahlen-Detektor fungierenden "Fermi"-Weltraumteleskops aufgespürt hatten: Zwei klar nach außen abgegrenzte Blasen von jeweils 25.000 Lichtjahren Durchmesser, die in geringem Umfang Gamma-Strahlen aussenden.

Schon bei der Entdeckung wurde spekuliert, dass die "Fermi-Blasen" auf einen großen und relativ schnellen Energieausbruch zurückgehen, der vor einigen Millionen Jahren stattgefunden hat. Die US-Astronominnen Kelly Holley-Bockelmann von der Vanderbilt University in Nashville und Tamara Bogdanović vom Georgia Institute of Technology in Atlanta haben nun eine neue Hypothese zu diesem Ereignis vorgelegt, wie der "New Scientist" berichtet.

Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher

Nach Meinung der beiden Astronominnen war dieses Ereignis der explosive Abschluss eines viel länger dauernden Prozesses, nämlich der Kollision und Verschmelzung der Milchstraße mit einer Zwerggalaxie. Diese soll in ihrem Zentrum ebenfalls ein Schwarzes Loch gehabt haben, das dem im Milchstraßenzentrum im Verlauf von Jahrmilliarden immer näher kam und schließlich mit ihm verschmolz.

Durch diesen Prozess seien die Gaswolken im Zentrum der Milchstraße durcheinandergewirbelt worden. Teile des Gases stürzten auf das angewachsene Schwarze Loch zu und wurden vor ihrem Verschwinden so komprimiert und dadurch aufgeheizt, dass sie riesige Energiemengen abstrahlten. Weiter entfernt liegende Gaswolken wurden ebenfalls komprimiert und zur Sternbildung angeregt. Beide Vorgänge sollen laut Holley-Bockelmann die "Fermi-Blasen" zur Expansion gebracht haben.

Sterne gesucht

Um Indizien für die Richtigkeit ihrer Hypothese zu finden, begeben sich die Astronominnen nun auf Sternensuche. Ehemalige Angehörige der hypothetischen Zwerggalaxie stehen dabei nicht im Vordergrund: Holley-Bockelmann und Bogdanović gehen davon aus, dass es sich dabei um eine früh entstandene Galaxie handelte, die neben dem Schwarzen Loch in ihrem Zentrum vor allem Dunkle Materie enthielt, dafür vergleichsweise wenige Sterne. Zumindest versuchen die Forscherinnen damit den Umstand zu erklären, dass bislang keine eindeutige Spur an Sternen entdeckt wurde, die eine sich auflösende Zwerggalaxie eigentlich hinterlassen hätte müssen.

Doch es gibt noch einen anderen Weg: Wenn es tatsächlich eine solche galaktische Kollision gegeben hat, müssten dabei zahlreiche Sterne, die sich ursprünglich in der Zentrumsregion der Milchstraße gebildet hatten, nach außen geschleudert worden sein. Bogdanović geht von an die 1.000 Irrläufer-Sternen aus, die heute etwa 10.000 Lichtjahre von ihrem Ursprungsgebiet entfernt mit immer noch hoher Geschwindigkeit unterwegs sein müssten. Die Datenmassen des Sloan Digital Sky Survey, einem großangelegten internationalen Projekt zur Himmelsdurchmusterung, sollen dabei helfen, solche Irrläufer aufzuspüren. (red, derStandard.at, 17. 3. 2013)

  • Unsere Heimatgalaxie als Stundenglas: Nun gibt es einen neuen Erklärungsversuch für die erst 2010 entdeckten "Fermi-Blasen" am Milchstraßenzentrum.
    foto: nasa's goddard space flight center

    Unsere Heimatgalaxie als Stundenglas: Nun gibt es einen neuen Erklärungsversuch für die erst 2010 entdeckten "Fermi-Blasen" am Milchstraßenzentrum.

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