Sportfunktionäre enttäuscht über Olympia-Nein

12. März 2013, 13:07
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ÖOC, Verbände, Sportminister für neue Sportanlagen - Häupl kündigte Schwimm- und Leichtathletikzentrum an

Wien - Die Wiener Bevölkerung hat sich mit großer Mehrheit von mehr als 70 Prozent gegen die Bewerbung der Bundeshauptstadt für die Olympischen Sommerspiele 2028 ausgesprochen. Die klare Absage an das Ansinnen der Stadtregierung, das größte Sportereignis der Welt mit Milliardenkosten nach Wien holen zu wollen, sei wohl oder übel zu akzeptieren, sagte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).

"Schade, aber ist so", meinte Häupl am Dienstag nach der Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses und bedauerte, dass die Bevölkerung eine andere Meinung vom Potenzial der Großveranstaltung als er habe. Mit dem eindeutigen Votum sei die Bewerbung Wiens für Sommer- und auch Winterspiele jedenfalls erledigt, bekräftigte der Bürgermeister.

Ausschlaggebend für das klare Nein dürften wohl die zu erwartenden Kosten bei einem Zuschlag von mehr als 10 Milliarden Euro für zahlreiche neue Sportstätten, weitere Infrastruktur und Sicherheit gewesen sein. Diese enormen Investitionen sind nun zwar hinfällig, Häupl kündigte aber an, die städtische Infrastruktur für den Breitensport trotzdem ausbauen zu wollen. Neben den bereits bekannten Plänen für ein neues Schwimmsportzentrum werde nun auch eines für Leichtathletik ins Auge gefasst, kündigte er an.

Damit kam Häupl der Forderung des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) und der Sportverbände zuvor, die sich ungeachtet des Olympia-Neins für den Neubau von Sportstätten aussprachen. "Wir akzeptieren das Ergebnis der Abstimmung. Gleichzeitig würden wir es begrüßen, wenn die Stadt Wien in Sportinfrastruktur investiert, um den heimischen Top-Athleten optimale Trainingsbedingungen ermöglichen zu können und damit auch die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass in Wien weiterhin regelmäßig große internationale Sport-Events zur Austragung gelangen - wenn auch nicht von der Dimension Olympischer Sommerspiele", erklärte ÖOC-Präsident Karl Stoss, der zuletzt gemeinsam mit Häupl für ein Ja geworben hatte.

Der neue Sportminister Gerald Klug (SPÖ) bedauerte das Abstimmungsergebnis: "Es war natürlich eine Chance für den Sport. Die Entscheidung der Bevölkerung ist aber zur Kenntnis zu nehmen", so Klug, der die Jugend auch ohne Olympia in Wien fit für die "Spiele der Zukunft" machen will. "Dazu benötigt es moderne Sportstätten, eine professionelle Struktur und gut ausgebildete Trainerinnen und Trainer."

Die Sportverbände reagierten angesichts der deutlich schlechter gewordenen Aussicht auf neue Wettkampf- und Trainingsstätten mit einer gewissen Enttäuschung auf die klare Ablehnung der Wiener Bevölkerung. "Für den Sport finde ich es schade, dass es nicht gelungen ist, das so zu transportieren, dass das eine tolle Angelegenheit für Wien ist", betonte Schwimmverbands-Chef Christian Meidlinger, der auf die schnelle Realisierung des von Häupl angesprochenen Schwimmprojektes drängt.

Die Verantwortlichen im Handball- und Leichtathletikverband bewerteten zumindest die im Zuge der Bewerbungsdiskussion dauernd thematisierte Notwendigkeit neuer Sportstätten als Erfolg. "Uns stimmt positiv, dass diese Befragung aufgezeigt hat, dass es im Bereich Infrastruktur der Sportstätten große Probleme gibt. Wir hoffen, dass das ein Startpunkt ist. Wir streben eine Bewerbung für eine EM an, aber das geht nur mit einer neuen Halle für 15.000 Zuschauer", sagte Handballbund-Generalsekretär Martin Hausleitner.

ÖLV-Präsident Ralph Vallon sieht das ähnlich. "Der Bau der Trainingsstätten und neuer Stadien geht mit Großereignissen natürlich leichter, das hat man schon bei der Fußball-EM gesehen. Gut ist, dass man über die Sportstättensituation in Wien aufmerksam machen konnte. Ich merke schon, dass durch die Gespräche ein bisschen bewusster wurde, dass man das eine oder andere verbessern könnte", sagte Vallon, der Befürchtungen vieler Wiener über die hohen Kosten als Ablehnungsgrund ausgemacht hat. (APA, 12.3.2013)

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