Kärntner Hypo stemmt sich gegen EU-Druck

12. März 2013, 13:48
22 Postings

Der Hypo Alpe Adria-Vorstand will mit seinen Banken nicht ab Montag mit einem Preisschild in der Auslage sitzen müssen

Wien/Klagenfurt/München - Der Chef der seit 2009 notverstaatlichten Kärntner Hypo Alpe Adria stemmt sich beim Verkauf seiner Südosteuropa-Banken gegen den Zeitdruck aus Brüssel. "Wenn wir zu Notverkäufen gezwungen werden, muss der österreichische Staat wieder nachschießen", prognostizierte Hypo-Chef Gottwald Kranebitter am Dienstag bei seiner Jahrespressekonferenz.

"Was wir wollen, ist ein flexibler Zeitraum". Dass es wie kolportiert fünf Jahre sein sollen, sprach er heute nicht an. "Wir wünschen uns, dass unsere acht Banken nicht ins Schaufenster gestellt werden, an dem steht: Ab Montag Ausverkauf."

Kranebitter gab zu, dass es hier einen Interessensgegensatz auszuräumen gelte. Die Wettbewerbshüter müssten auf möglichst raschen Verkauf und Abwicklung drängen. Die Republik Österreich und der Bankvorstand müssten auf Budgetschonung, Erhalt der Jobs und Funktionsfähigkeit in den Märkten achten und aufzeigen, dass jetzt der schlechtestmögliche Zeitpunkt sei für Bankenverkäufe. "Wir müssen hier ganz deutlich sagen, "dass Zeitdruck Geld vernichtet." Wo es keine Käufer gebe, gebe es keine Preise. "Oder nur Zerschlagungspreise".

Kosten

Laut Hypo würde eine sofortige ungeordnete Abwicklung (Zerschlagung) der Gruppe mindestens 5 bis 6 Mrd. Euro kosten. Unter anderem weil Haftungen schlagend und auch konzerninterne Finanzierungen umfallen würden. Die Hypo brauche jedenfalls eine "ausgewogene Auflagenstruktur".

"Wenn wir uns mit dem Ausverkaufsschild ins Schaufenster stellen, werden wir vorprogrammierte Verluste haben", sagte Kranebitter. Wie viel Zeit man tatsächlich brauche, werde von den Märkten abhängen. Das gilt für die Töchter im Süden und Südosten. Die Österreich-Bank hingegen soll flott verkauft werden und heuer in der Zielgerade sein. Kranebitter sprach heute von einer "guten Handvoll Interessenten" für die Hypo Österreich, die die Due Diligence-Prüfung schon hinter sich hätten. Hier sollte es keine Überraschungen mehr geben.

Was das Umfeld betreffe, werde 2013 ein sehr schwieriges Jahr werden, schätzt der Hypo-Chef. "Möglicherweise das schwierigste seit der Notverstaatlichung."

Im Streit an einer anderen Front, mit der BayernLB, glaubt der Hypo-Chef an jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen. Es geht um die Kreditmilliarden, die die einstige Mutter BayernLB in der Hypo liegen hat. Die Hypo verweigert die weitere Tilgung seit Dezember, da das Geld in ihren Augen Eigenkapitalersatz war. Die Bayern klagen auf Rückzahlung. Der Streit dürfte alle Ebenen erreichen, wenn man sich nicht vorher außergerichtlich einigt.

Kranebitter sagte heute, man rede von nahezu 4 Mrd. Euro. "Das ist ein Rechtsstreit, der durch die Instanzen getragen wird und mehrere Jahre dauern wird." "Platz für einen Vergleich sehe ich da vorerst nicht." (APA, 12.3.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gottwald Kranebitter

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.