Pereira: "Die Lage ist sehr ernst"

12. März 2013, 13:56
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Will sich im Konflikt mit dem Kuratorium "nicht wie einen Schulbuben behandeln" lassen

Salzburg - Der Salzburger Festspielintendant Alexander Pereira hat am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal bekräftigt, dass er die derzeitigen Konflikte mit dem Kuratorium für schwerwiegend hält: "Ich denke, dass die Lage sehr ernst ist", so Pereira. Er kämpfe vom ersten Tag seiner Berufung und versuche, seine Arbeit so professionell wie möglich zu machen. "Leider ist das Kuratorium immer anderer Meinung als ich."

Der Intendant ortet auch ein grundsätzliches Problem in den Entscheidungsstrukturen. Das Einstimmigkeitsprinzip im Kuratorium, dem für Budgetentscheidungen zuständigen Aufsichtsgremium der Festspiele, bedeute, "dass, wenn einer im Kuratorium hustet, alle Lungenentzündung bekommen".

"Ich mache zur Bedingung, dass man mir vertraut, dass ich diese Institution so leiten kann, dass es sich am Ende ausgeht", sagte Pereira im Ö1-Interview. "Ich bin absolut bereit, meinen Vertrag in Salzburg zu erfüllen - bis 2016." Auf einen möglichen Wechsel an die Mailänder Scala und eine daraus möglicherweise resultierenden Überschneidung von Vorbereitungsarbeiten mit seiner Salzburger Intendanz angesprochen, verwies er darauf, dass man auch nichts dagegen gehabt habe, dass er als Intendant der Zürcher Oper sein Salzburger Programm vorbereite: "Warum soll das nicht möglich sein, wenn es vorher möglich war?"

"Bin nahe dran zu gehen"

Zu einem Rundumschlag hat Pereira auch in den "Salzburger Nachrichten" ausgeholt: "Ich bin nahe daran, zu gehen", so der Festspiel-Intendant am Dienstag. Die jüngsten "Ausfälle" von Bürgermeister und Festspiel-Kurator Heinz Schaden (SPÖ) gegen seine Person seien würdelos. "Ich lasse mich nicht wie einen Schulbuben behandeln", sagte der bis 2016 bestellte Intendant, nachdem Schaden angekündigt hatte, Pereiras Vertrag nicht verlängern zu wollen.

Den Auftrag des Kuratoriums, 2014 zwei szenische Opernproduktionen wegen drohender Budget-Überschreitungen zu kürzen, werde er so nicht erfüllen. Zwar sei er bereit, das Händel-Oratorium "Jephta" wieder vom Spielplan zu nehmen, die verlangte Streichung einer prominent besetzen Oper werde er aber nicht vornehmen. Sollte das Kuratorium darauf beharren, "dann können mich alle gern haben. Dann sage ich 'Viel Spaß bei der Intendantensuche'", so Pereira, der immer wieder darauf verweist, acht Millionen Euro an Sponsorengeldern selbst für Salzburg aufgetrieben zu haben. Pereira überlegt nach eigenen Angaben, an die Scala in Mailand zu wechseln.

Kritik an Rabl-Stadler

Erstmals kritisierte Pereira auch die Arbeit seiner Kollegin im Direktorium, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Die Situation in Salzburg werde durch die Präsidentin verschlimmert. "Sie fürchtet, dass sie jetzt nicht mehr so schalten und walten kann, wie sie es früher getan hat." Seit Rabl-Stadler die kaufmännische Direktion führen müsse, sei sie von Angst vor Verlusten getrieben. "Und diese Angst steckt alle an", so Pereira in den SN. Rabl-Stadler sagte dazu auf Anfrage, sie wolle zu diesen Vorwürfen nicht ausführlich Stellung nehmen und bitte dafür um Verständnis. Denn einer müsse schließlich Vernunft bewahren, so die Festspiel-Präsidentin.

Außerdem forderte Pereira eine Änderung des Festspielgesetzes. "Es gehört eine GmbH her mit einem künstlerischen Leiter und einem kaufmännischen Geschäftsführer. Dazu soll ein Aufsichtsrat kommen, der mit Mehrheit (und nicht wie jetzt mit Einstimmigkeit, Anm.) entscheidet." Auch die Politik bekam ihr Fett ab, denn die komme seit Jahren ihrer Verpflichtung nicht nach und zahle die Lohnerhöhungen der Mitarbeiter nicht. "Das macht im Jahr eine Million aus, das ist der eigentliche Skandal."

Im Festspielkuratorium war es jüngst zu Differenzen bezüglich der Ausweitung der Budgets für 2013 und 2014 gekommen. Pereira verweist stets auf steigende Personalkosten und die Notwendigkeit, Sponsoren mit zusätzlichen attraktiven Produktionen zu gewinnen. Das Kuratorium zeigte sich bereits im Vorjahr äußerst skeptisch gegenüber stark steigenden Festspielbudgets. (APA, 12.3.2013)

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