Tiefseebohrung: Japan holt erstmals Gas aus "brennendem Eis"

12. März 2013, 12:23
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Forscher extrahieren 80 Kilometer vor der Küste der Provinz Aichi vier Stunden lang Gas aus Methanhydrat-Vorkommen in rund einem Kilometer Tiefe

Tokio - Nach der Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi am 11. März 2011 setzt Japan seine Hoffnung auf alternative Energiequellen und wendet sich dabei auch der Tiefsee zu: Japanischen Wissenschaftern ist es am Dienstag nach eigenen Angaben erstmals gelungen, Methanhydrat aus dem Meeresboden etwa 80 Kilometer vor der Küste der Provinz Aichi auf der Hauptinsel Honshu zu bergen. Andere Länder haben bereits zuvor bei Probebohrungen Methanhydrat aus dem Meer geholt. Schätzungen zufolge könnte sich Japan von den Methanhydrat-Vorräten vor seinen Küsten mehr als ein Jahrhundert lang mit Energie versorgen. Die Förderung des Gases ist allerdings sehr schwierig und kostspielig.

"Brennendes Eis"

Methanhydrat ist in gefrorenem Wasser eingelagertes Methan, wegen seines Aussehens wird es auch "brennendes Eis" genannt. In Methanhydrat ist das Gas durch den Druck unter dem Seeboden hochverdichtet, die Energieausbeute eines Kubikmeters Methanhydrat ist deshalb ein Vielfaches höher als von gasförmigem Methan derselben Menge.

Nach Angaben von Industrieminister Toshimitsu Motegi wurde der Test vor der Küste von Aichi jahrelang vorbereitet. Am Mittwoch gelang es den Forschern dann, vier Stunden lang Gas zu extrahieren, dass einen Kilometer unter dem Meeresspiegel 330 Meter tief im Meeresboden lagerte. Ziel ist es in dem ersten Test, zwei Wochen lang Gas zu fördern. Dabei wird eine Technik eingesetzt, die sich den in großer Tiefe herrschenden Druck zunutze macht, um das Gas aus den unterseeischen Sedimenten zu pressen. "Wir wollen die Technik sicherer machen, um zu die Vorräte kommerziell abbauen zu können", sagte Motegi.

Wissenschafter fürchten Abrutschen von Küstenhängen

Trotz der extrem schwierigen Förderbedingungen strebt Japan nach Angaben des zuständigen Konsortiums an, Methanhydrat ab 2018 kommerziell zu fördern. Japan muss derzeit 95 Prozent seines Energiebedarfs importieren. Wissenschafter fürchten allerdings, dass ein großflächiger Abbau der Gashydrate das Abrutschen von Küstenhängen in der Meerestiefe zur Folge haben könnte. (APA/red, derstandard.at, 12.03.2013)

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    Brennendes Methan auf dem Tiefsee-Bohrschiff "Chikyu" vor der Küste der japanischen Insel Honshu. Japan plant in den nächsten Jahren die kommerzielle Förderung von Methanhydrat.

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