Koller: "Nur Blabla ist zu wenig"

12. März 2013, 17:31
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ÖFB-Team für die WM-Quali-Spiele ohne Überraschungen - Heimspiel gegen die Färöer und der Besuch in Irland stehen an

Wien - Nach einigen Fragen und Antworten - die Stimmung im Saal Klimt des Hotels hatte gerade den Gefrierpunkt gestreift - wurde Teamchef Marcel Koller zwar nicht laut, er sagte aber sehr bestimmt. "Wir müssen uns nicht zu Tode jammern. Die Jungs können doch Fußball spielen."

Es war am Dienstag um die Mittagszeit, der 52-jährige Schweizer erfüllte eine Bedingung für das Stattfinden eines Länderspiels, er gab den Kader bekannt. Es sind diesmal zwei Länderspiele, zwei richtungsweisende, sie sind Teil der WM-Qualifikation. Am 22. März treten die Färöer in Wien an. Vier Tage später gastiert Österreich in Dublin. Eine Niederlage gegen Irland wäre deprimierend, eine gegen die Färinger auch, aber davon ist nicht unbedingt auszugehen, wobei Koller sagt: "Es wird ein Geduldspiel, die stehen hinten nicht schlecht, haben gegen Deutschland nur 0:3 verloren. Und Irland wird sehr intensiv von den Zweikämpfen her."

Personell hat er praktisch keine Änderungen vorgenommen. Martin Harnik ersetzt Marcel Sabitzer, aber das tangiert höchstens Sabitzer und Harnik. "Wir sind überzeugt, dass es die Besten sind, aber wir wissen auch, dass nicht alle regelmäßig spielen. Trotzdem haben sie es nicht verlernt."

Euphorie ausgebremst

Da der Fußball nur ein bescheidener Teil der Zeit ist, und diese ein Höllentempo vorlegt, erinnerte Koller an die Aufbruchstimmung, über die vor ein paar Monaten geschrieben und gesprochen wurde. "Dass wir noch nie so eine starke Mannschaft gehabt haben, hieß es. Lauter Legionäre, alle Schlüsselspieler und in Topform. Ich war nie so euphorisch."

Im März 2013 schaut es so aus: Reservisten oder gar Tribünengäste sind Tormann Robert Almer, Kapitän Christian Fuchs, Emanuel Pogatetz, Sebastian Prödl, Jakob Jantscher und Marc Janko. Marko Arnautovic ist in Bremen Joker. Harnik wackelt in Stuttgart, Florian Klein in Salzburg, aber das geht zu sehr ins Detail, Klein wackelt auch im Nationalteam.

Koller hat auf die Alltagssorgen der Kicker keinen Einfluss. "Jeder Einzelne muss härter arbeiten, sich aufdrängen. Die Vereinstrainer denken sich ja etwas dabei." Der Teamchef hat die jüngsten Niederlagen, das 0:3 gegen Côte d'Ivoire und das 1:2 in Wales, aufgearbeitet. "Zwei schlechte Spiele, aber deswegen müssen wir uns nicht noch tiefer in den Keller runterziehen. Rückschläge gehören dazu."

Ausführliche Vorbereitung

Das Team versammelt sich am Sonntag in Wien, es gibt also eine lange Vorbereitung. Koller freut das. "Nur Blabla ist zu wenig, wir brauchen jetzt Leistung. Wir sollten noch näher zusammenrücken, nicht nur im Theoriesaal, sondern vor allem auf dem Platz."

Der Betreuerstab muss das perfekte Paket schnüren. Die Viererkette ist von der fehlenden Praxis zu hundert Prozent betroffen (Klein, Prödl, Pogatetz, Fuchs), kann sein, dass Aleksandar Dragovic der Nutznießer ist. David Alaba ist nach wie vor im Mittelfeld vorgesehen, bei Bayern München macht er den linken Außenverteidiger, quasi den Fuchs. Koller: " In Stein gemeißelt ist Alabas Position nicht."

Sechs Punkte seien das Ziel, "aber man kann sich die Resultate nicht aussuchen. Mit vier könnte man vielleicht leben." Nach Dublin reisen 2700 Fans, darauf ist der Fußballverband sehr stolz. Es ist eine Erinnerung an den Aufbruch. Und die Hoffnung auf einen Neustart. (Christian Hackl, DER STANDARD, 13.3.2012)

Der 23-Mann-Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft für die WM-Qualifikationsspiele gegen die Färöer am 22. März in Wien und gegen Irland am 26. März in Dublin:

Tor: Robert Almer (Fortuna Düsseldorf/7 Länderspiele), Lukas Königshofer (Rapid Wien/0), Heinz Lindner (Austria Wien/2)

Abwehr: Aleksandar Dragovic (FC Basel/18/0 Tore), Christian Fuchs (FC Schalke 04/51/1), György Garics (Bologna/30/1), Florian Klein (Salzburg/14/0), Emanuel Pogatetz (West Ham United/53/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/39/3), Franz Schiemer (Salzburg/24/4), Markus Suttner (Austria Wien/6/0)

Mittelfeld: David Alaba (Bayern München/22/1), Marko Arnautovic (Werder Bremen/24/7), Julian Baumgartlinger (1.FSV Mainz 05/25/0), Martin Harnik (VfB Stuttgart/34/8), Andreas Ivanschitz (1. FSV Mainz 05/60/10), Jakob Jantscher (Dynamo Moskau/15/1), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen/24/3), Veli Kavlak (Besiktas Istanbul/23/1), Christoph Leitgeb (Salzburg/31/0)

Angriff: Philipp Hosiner (Austria Wien/1/0), Marc Janko (Trabzonspor/32/14), Andreas Weimann (Aston Villa/3/0)

Auf Abruf: Thomas Gebauer (SV Ried/0), Ramazan Özcan (FC Ingolstadt/1) - Martin Hinteregger (Salzburg/0), Manuel Ortlechner (Austria Wien/8/0), Andreas Ulmer (Salzburg/2/0), Guido Burgstaller (Rapid/5/0), Raphael Holzhauser (VfB Stuttgart/0), Florian Mader (Austria Wien/0), Patrick Bürger (SV Mattersburg/2/0), Rubin Okotie (Sturm Graz/5/0), Marcel Sabitzer (Rapid Wien/1/0)

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    Marcel Koller setzt auf bekannte Kräfte und verlangt jetzt Leistung.

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