Mehr Durchblick bei zahlreichen Erkrankungen

12. März 2013, 11:25
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Magnetresonanz und Positronen-Emissionstomografie werden bald auch in der personalisierten Krebsmedizin eine Rolle spielen

Beim Europäischen Radiologenkongress (ECR) bis 11. März wurden am Wochenende im Austria Center Vienna zahlreiche neue Techniken präsentiert, die in Zukunft die Früherkennung, die Diagnose und die Behandlung von Krankheiten stark verändern könnten. So zum Beispiel dürften die Magnetresonanz (MRI, NMR, Kernspintomografie) beziehungsweise die Positronen-Emissionstomografie bald auch in der personalisierten Krebsmedizin eine Rolle spielen.

Bei der personalisierten Medizin kommt es darauf an, Krankheiten gemäß der speziellen, beim einzelnen Patienten vorhandenen Gegebenheiten zu therapieren. Dazu gehören auch die ständige Kontrolle des Verlaufs und gegebenenfalls die schnelle Anpassung der Therapie auf sich verändernde Bedingungen. Die Bedeutung bildgebender Verfahren ist dabei jedenfalls im Steigen begriffen.

Erste "Infiltrationen" entdecken

Jens Hillengass vom Deutschen Krebsforschungszentrum: "Die Magnetresonanz gibt uns mehr Informationen und ist wahrscheinlich die bedeutendste bildgebende Technik bei der Bestimmung der Aktivität des Multiplen Myeloms." Bei dieser bösartigen Bluterkrankung kommt es in der Folge einer längeren Entwicklung auch zum Einwandern von bösartigen Zellen in die Knochen. Laut dem deutschen Experten kann die auf extrem starken Magnetfeldern basierende Kernspintomografie beispielsweise diese ersten "Infiltrationen" von bösartigen Plasmazellen in den Knochen entdecken helfen - deutlich bevor die ersten Knochenschäden auftreten.

Die nuklearmedizinische Methode der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) wiederum kann - zusätzlich zur herkömmlichen Röntgen-Computertomografie (CT) einen Beitrag zur Kontrolle des Therapieerfolgs bei Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen bringen. Bei der PET-Untersuchung wird mit gering und extrem kurz strahlenden Substanzen die Stoffwechselaktivität dargestellt. Bösartige Zellen haben durch ihr ständiges Wachstum einen erhöhten Stoffwechselumsatz.

Sally Barrington, vom PET-Zentrum des Londoner St. Thomas Hospital: "Nach nur ein bis zwei Chemotherapie-Zyklen kann eine zwischenzeitlich durchgeführte PET-Untersuchung den Effekt der Therapie sehr genau darstellen. Es zeigt sich eine Verringerung des Glukose-Metabolismus ("Zucker-Umsatz" als Marker für die Stoffwechselaktivität, Anm.) noch bevor die Tumore schrumpfen." Damit könnte die Therapie zeitnaher an die Veränderungen im Laufe der Erkrankung angepasst werden.

Digitale Brust-Tomosynthese 

In der Früherkennung von Mammakarzinomen könnte in Zukunft die "Digitale Brust-Tomosynthese" (DBT) die seit vielen Jahren verwendete Mammografie möglicherweise sogar ersetzen. Mammografie-Aufnahmen sind zweidimensional. Tumoren können dabei hinter dichterem Gewebe verborgen bleiben. Bei der DBT werden aus mehreren Aufnahmen aus unterschiedlichem Winkel per Computer eine 3D-Darstellung der untersuchten weiblichen Brust errechnet. Dadurch sollen sich Karzinome bei Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr "verstecken" können.

Martin Yaffe von der Abteilung für Biophysik und Bildgebung der Universität Toronto in Kanada: "Es herrscht Aufregung darüber, dass diese Technik die Genauigkeit bei der Auffindung von Karzinomen erhöhen und die Zahl der neuerlichen Einberufung von Patientinnen mit verdächtigen Befunden reduzieren kann." Dies gelte besonders für junge Frauen mit dichterem Brustgewebe. Groß angelegte klinische Studien sollen jetzt zeigen, ob die Methode in der Praxis wirklich besser ist als die alte Mammografie. (APA/red, 12.3.2013)

  • Mit der Tomosynthese ist eine dreidimensionale Betrachtung der Brust möglich.
    foto: derstandard.at/tin

    Mit der Tomosynthese ist eine dreidimensionale Betrachtung der Brust möglich.

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