Novartis: Justiz ermittelt wegen Veruntreuung

12. März 2013, 10:44
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Basel - Die umstrittene Millionenabfindung für den scheidenden Präsidenten des Schweizer Pharmakonzerns Novartis könnte ein Nachspiel haben: Die Staatsanwaltschaft Basel ermittelt laut einem Zeitungsbericht gegen Verwaltungsräte von Novartis wegen des Verdachts der Veruntreuung von Unternehmensvermögen. Das schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Sprecher der Staatsanwaltschaft. Mitglied des Verwaltungsrats - und derzeit vorübergehend Leiter des Gremiums - ist der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner, der als möglicher Kandidat für den vakanten Aufsichtsratschefposten beim deutschen Dax-Konzern ThyssenKrupp gilt.

Die Justizbehörde wollte den Bericht nicht kommentieren. Zu Ermittlungen gegen einzelne Personen werde keine Auskunft gegeben, hieß es aus Basel. Der Verwaltungsrat hatte einer rund 58,5 Mio. Euro schweren Abfindung für Novartis-Präsident Daniel Vasella zugestimmt. Ein Anlegeranwalt erstattete danach laut "SZ" Anzeige gegen fünf Verwaltungsräte.

Nach scharfer Kritik von Politikern und Aktionären hatte Vasella auf die kontroverse Abfindung verzichtet. Bei einer Volksabstimmung Anfang März sprach sich die Mehrheit der Schweizer für eine Deckelung der Millionenvergütungen für Spitzenmanager aus.

ThyssenKrupp-Patriarch tritt ab

Der 66-jährige Lehner ist bei ThyssenKrupp einer der großen Favoriten für die Nachfolge von Gerhard Cromme an der Spitze der Aufsichtsrats. Cromme hat am Freitag seinen Rücktritt von allen Ämtern erklärt. Thyssen ist wegen Fehlinvestitionen in Übersee und zahlreicher Kartellfällen angeschlagen. Zuvor war Cromme offensichtlich vom Chef der mächtigen Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, fallengelassen worden. Die Stiftung besitzt gut ein Viertel der ThyssenKrupp-Aktien.

Lehner ist laut "SZ" der Lieblingskandidat von Beitz für die Cromme-Nachfolge. Beitz wolle einen Manager an die Spitze des Aufsichtsrats holen, der mit den Fehlentscheidungen bei ThyssenKrupp für die Stahlwerke in Brasilien und den USA nichts zu tun habe und in keine Affäre verstrickt sei, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld des 99 Jahre alten Stiftungschefs. Lehner erfülle aus Sicht von Beitz diese Voraussetzungen.

Dass Lehner bei Novartis mit anderen Verwaltungsräten die umstrittene 72-Millionen-Abfindung genehmigt habe, sei für den Firmenpatriarchen "kein Hindernis". Der andere Aspirant, der öffentlich gehandelt wird, Hans-Peter Keitel, sei indes kein Thema. Keitel war Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Lehner ist seit 2008 Mitglied im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Kritiker wie die Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz bezweifeln daher, dass der frühere Chef des Konsumgüterkonzerns Henkel für den erhofften Neuanfang stehen kann. (APA, 12.3.2013)

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