Wiener Philharmoniker: Nicht nachtragend

11. März 2013, 19:12
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Die Republik war nie nachtragend, wenn es um alte Nazis ging

Die Republik war nie nachtragend, wenn es um alte Nazis ging: Helmut Wobisch, Solotrompeter bei den Wiener Philharmonikern, illegaler Nazi, als SS-Mann beim Juliputsch 1934 (Ermordung von Dollfuß) dabei. 1945 wurde er entlassen, aber bereits 1950 wieder eingestellt, 1954 sogar Geschäftsführer. 1967 bekam er das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich".

Wie jetzt der Historiker Oliver Rathkolb im Auftrag der Philharmoniker herausfand, war es mit größter Wahrscheinlichkeit Wobisch, der - "Unsere Ehre heißt Treue" - 1966 dem aus der Kriegsverbrecher-Haft entlassenen Baldur von Schirach (dem Gauleiter von Wien) den Philharmoniker-Ehrenring (noch einmal) überreichte.

Oder: Wilhelm Höttl, als hoher SS-Offizier während der Judendeportation 1944 in Ungarn, rettete sich vor dem Strick, indem er in Nürnberg als Hauptbelastungszeuge auftrat. 1995 verlieh ihm als Schulgründer das Land Steiermark das "Große Ehrenzeichen".

Oder: Robert Haider, Jörgs Vater, ging nach Hitler-Deutschland zur "Österreichischen Legion", überfiel beim Juliputsch 1934 ein österreichisches Zollhaus, wobei es einen toten Zollbeamten gab. Nach landläufiger Definition ein Hochverräter (und zeitlebens NS-Anhänger) - 1997 die "Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich".

Macht nix, sagte die Republik in diesen und anderen Fällen, samma wieder gut. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 12.3.2013)

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