Altbacken

11. März 2013, 18:02
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Bruce-Willis-Charakter Nick Tschiller schoss sich durch einen Mädchenhändlerfall mit der Verve des Terminators

Nach all der vorauseilenden Häme für Til Schweiger hat man eigentlich auf eine Überraschung gehofft. Auf einen Moment, in dem man sich zugestehen hätte können, dass er so schlecht nicht ist. Nach 90 Minuten warten half nichts mehr, der Moment war nicht gekommen, die Tatort-Episode Willkommen in Hamburg zu Ende.

Schweiger hat die Figur des Polizisten Nick Tschiller als Bruce-Willis-Charakter angelegt. Gut, so viele Möglichkeiten hat er nicht. Aber man hätte altbackenen Typen, wie Willis sie mit Hingabe verkörpert, etwas Eigenes hinzufügen müssen. Einen Tick, irgendetwas Unbeholfenes abseits des einen Kameragesichts, auf dem Schweigers Karriere seit Manta, Manta basiert. Aber nicht.

Schweiger prügelte und schoss sich durch einen Mädchenhändlerfall mit der Verve des Terminators. Wobei selbst diese Maschine noch mehr Charme besaß. Nicht Schweiger. Dem muss die Maske mit falschen Schrammen etwas Charakter verleihen. Für Schmäh und Salz in dieser dünnen Suppe war Fahri Yardim als Yalcin Gümer zuständig, Schweigers neuer Partner, der den ersten Fall vom Krankenbett aus zwar nicht realistisch beeinflusste und verfolgte, aber immerhin unterhaltsam war.

Kommissar Nick Tschiller schlug sich derweil mit stereotyp inszenierten Figuren herum: einem korrupt gewordenen Expartner, einer Staatsanwältin, seinem Vorgesetzten, seiner Teenagertochter und seiner Ex. Grundgütiger! Nach dem glücklosen Mehmet Kurtulus als Undercover-Cop Cenk Batu bleibt der Hamburger Tatort also weiterhin ein Sorgenkind. Nur das Ego des Neuen ist ungleich größer. Allein, das war jetzt nicht wirklich eine Überraschung. (Karl Fluch, DER STANDARD, 12.3.2013)

  • Till Schweiger als Neo-"Tatort"-Kommissar Nick Tschiller. 
    foto: orf/ard/marion von der mehden

    Till Schweiger als Neo-"Tatort"-Kommissar Nick Tschiller. 

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