EU-Agrarförderungen steigen pro Betrieb

11. März 2013, 17:57
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Wien - Nach Kahlschlag klingen die Zahlen nicht: Laut EU-Budget werden die Agrarförderungen, die aus der Unionskasse nach Österreich fließen, für die nächsten sieben Jahren um 2,8 Prozent auf 8,8 Milliarden sinken. Den Bauern jedoch ist auch das zu viel. Die Regierung müsse den Verlust kompensieren, fordern ihre Vertreter.

Bringen die Bauern ein zu großes Opfer? Die Arbeiterkammer hat nachgerechnet - und kommt zu ganz anderen Schlüssen.

Das beklagte Minus werde sich für die Betroffenen in Wahrheit in einem Plus niederschlagen, glauben die Arbeiterkämmerer, schließlich schrumpfe gleichzeitig die Zahl der Agrarbetriebe. Setze sich der Trend fort, dann werde die Förderung pro Betrieb in den nächsten sieben Jahren um zwölf Prozent höher liegen als bisher - ein ordentlicher Inflationsausgleich, von dem Bezieher von Pflegegeld oder Familienbeihilfe nur träumen könnten.

Über den Daumen gerechnet werde das schon so sein, bestätigt man im Landwirtschaftsministerium. Allerdings werde die bewirtschaftete Fläche trotz weniger Betriebe nicht kleiner.

Von der Gesamtsumme fließen 3,94 Milliarden für die ländliche Entwicklung nur dann, wenn Österreich dazu zahlt - und auch dabei stiegen die Bauern allzu gut aus, meinen die Arbeitnehmervertreter. Gemäß EU-Schlüssel müsste die Republik die Förderungen je nach Schiene nur zu 47 oder 25 Prozent kofinanzieren, die Regierung legte aber ein Verhältnis von 50:50 fest. Der Staat buttere damit pro Jahr um 205 Millionen mehr in den Agrarsektor als nötig wäre, um das ganze EU-Fördergeld abzuholen, rechnet die AK vor.

Land als nationales Interesse

Das Landwirtschaftsministerium argumentiert dies mit "nationalem Interesse": Schließlich gelte es, ökonomisch schwache Gebiete am Land zu stützen,

Auch diesem Argument hält die AK Zahlen entgegen: Demnach kämen hierzulande 88 Prozent der für den ländlichen Raum veranschlagten Fördermittel der Landwirtschaft zugute und nur der Rest der "anderen" Landbevölkerung. Schwache Gebiete sollten gefördert werden, sagt AK-Expertin Silvia Angelo, doch statt Millionen draufzulegen, sollte Geld von den Direktzahlungen für die (großen) Agrarbetriebe umgeschichtet werden. Von einer generellen Notlage könne ja keine Rede sein: Seit 2000 sei das Agrareinkommen pro Kopf um 96 Prozent gestiegen, während die Arbeitnehmer um nur 27 Prozent zulegten. (Gerald John, DER STANDARD, 12.3.2013)

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