ORF-Serie "Janus": Kriminalistischer "Page-Turner" nimmt Gestalt an

11. März 2013, 17:18
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Alexander Pschill, Franziska Weisz und Barbara Romaner stehen noch bis Ende des Monats in Wien vor der Kamera - Regisseur Kopriva: Größere Erzählbögen benötigen "gute und präzise Vorarbeit"

Krimiserien mit einem größeren dramaturgischen Bogen haben aktuell Hochkonjunktur. Auch für das ORF-Eventformat "Janus" gilt: Hier ist die Summe mehr als ihre einzelnen, kriminalistischen Teile. Sieben Episoden lang geht darin Alexander Pschill als forensischer Psychologe Leo Benedikt einer mysteriösen Selbstmordserie auf den Grund, die ihn auch zum titelgebenden Pharmakonzern führt. Dieser ist von einem Geheimnis umgeben, das allerdings noch nicht verraten wird. "Beim Lesen war es jedenfalls ein unglaublicher Page-Turner", erzählte Pschill der APA beim einem Setbesuch.

Für ihn bedeutet "Janus" auch eine Rückkehr zum Krimi. "Der feinste, angenehmste Unterschied zu anderen Serien: Hier wird eine durchgehende Geschichte erzählt. Das bedeutet für Schauspieler ja auch, dass man seine Figuren entwickeln kann, was bedeutend realistischer ist." So werde der oft zermürbenden Arbeit von Ermittlern "genügend Platz und Raum" gewidmet, wie Pschill erklärte. Seine Figur, den Psychologen Benedikt, der zwar selbstständig tätig ist, aber immer wieder zu polizeilichen Ermittlungen als Berater beordert wird, bezeichnete er als "absolute Schrulle, eine komische Mischung aus Eigenbrötler und dann wieder ganz sozialem und engagierten Menschen". Eben kein Held, was ihm sehr gut gefalle. "Ermittler sind alles andere als Helden. Und auch als Schauspieler bringt man Schwächen, Ängste und Neurosen mit", lachte der 42-Jährige.

45-minütige Folgen

In den jeweils 45-minütigen Folgen kommt auch das Privatleben Benedikts nicht zu kurz und verwebt sich zusehends mit seinen beruflichen Tätigkeiten. Barbara Romaner gibt seine Ehefrau, die Pharmakologin Agnes. "Es ist eine sehr intelligente Erzählweise", lobte Romaner die Drehbücher von Jacob Groll und Sarah Wassermair, die bis dato etwa für "Schnell ermittelt" geschrieben haben. "Verschiedene Motive werden hier zusehends vernetzt und verzahnt. So funktioniert ja auch das wirkliche Leben." Dementsprechend fühle sich die Serie "nicht wie Fernsehen" an, "eher wie ein Roman, einfach ein langer, guter Stoff". Dass die psychologischen Aspekte bei einer Krimiserie so in den Vordergrund rücken, "habe ich bisher in dieser Form noch nicht so gesehen".

Regie führt bei "Janus" Andreas Kopriva, der ebenfalls die umfassende Erzählweise hervorstrich. "Qualität bekommt man dann, wenn man etwas über einen längeren Zeitraum durcherzählen kann. Das ist auch die Qualität des Fernsehens gegenüber dem Kino: längere Spannungsbögen und Charakterentwicklungen." Gerade bei dieser Vorgehensweise sei aber eine "gute und präzise Vorarbeit" unumgänglich. Ein Vorteil sicherlich, dass Kopriva ebenfalls "Schnell ermittelt"-Erfahrung mitbringt und daher auf ein gut eingespieltes Team setzen kann. "Anders wäre es gar nicht möglich", so der Regisseur zur APA. "Gerade auch, weil die Drehzeiten immer knapper werden. Gleichzeitig muss man permanent offen sein für Ideen und Vorschläge aus dem Team."

Einfluss skandinavischer Krimiformate

Konkrete Vorbilder habe es für die Serie zwar nicht gegeben, aber skandinavische Krimiformate hätten natürlich einen Einfluss gehabt. "Es ist ja fast nicht möglich, etwas Neues zu machen", zeigte sich Kopriva realistisch. "Aber natürlich versucht man, seinen eigenen Stil zu finden." Abwechslung scheint dabei ein durchgängiges Motiv gewesen zu sein, wie auch Franziska Weisz unterstrich: "Ich habe mich nie wiederholt", erzählte sie über ihre Figur, Bezirksinspektorin Cara Horvath, die Benedikt immer wieder als Gutachter hinzuzieht. Die als "körperliches Wesen" beschriebene Horvath sei auch ein konträrer Gegensatz zu Weisz selbst: "Die Rolle lässt das raus, was ich als zivilisierter Mensch nicht raus lasse."

Auf die Auflösung des "großen Geheimnis", das den Pharmakonzern Janus zusehends ins Blickfeld von Benedikt rückt, wird man sich bis zum Herbst 2013 gedulden müssen, wenn die Serie im ORF ausgestrahlt wird. "Es ist einfach wahnsinnig spannend", machte Pschill aber schon mal Lust auf das Format. Davor steht für das Team, dem u.a. auch Andreas Kiendl als Staatsanwalt und Freund von Benedikt oder Barbara Kaudelka als dessen Assistentin angehören, allerdings noch Arbeit an: Die Dreharbeiten in Wien werden voraussichtlich noch bis Ende des Monats dauern. (APA, 11.3.2013)

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