RH-Bericht bestätigt Vorwürfe an Noever

Thomas Trenkler
11. März 2013, 17:46
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  • Für das Jahr 2010 meldete das Mak 186.000 Besucher des Hauptgebäudes; davon besuchten allerdings nur 52,6 Prozent Ausstellungen.
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    Für das Jahr 2010 meldete das Mak 186.000 Besucher des Hauptgebäudes; davon besuchten allerdings nur 52,6 Prozent Ausstellungen.

Peter Noever hielt nicht viel von Sparsamkeit: Der Rechnungshof zerpflückt in seinem Bericht über das Mak u. a. die Reisekosten und die Geburtstagsfeiern für Noevers Mutter

Wien - In einem einzigen Punkt gibt der Rechnungshof Peter Noever, dem 2011 fristlos entlassenen Direktor des Museums für angewandte Kunst, Recht: "Die Verwendung eines Limousinenservice für Dienstfahrten war kostengünstiger als die Anschaffung eines Dienstwagens." Ansonsten aber bestätigt der RH in seinem am Montag veröffentlichten, äußerst umfangreichen Bericht über das Mak alle Vorwürfe, die Noever gemacht worden waren.

Die durchschnittlichen "sonstigen Reisekosten" (also alle Reisekosten ohne jene, die im Zusammenhang mit Ausstellungen stehen) waren nach der Ausgliederung des Mak im Jahr 2001 um 715 Prozent höher als davor.

Die von 2001 bis 2010 durchschnittliche Anzahl von 79 Reisetagen Noevers war im Verhältnis zu den durchschnittlich 221 Arbeitstagen "sehr hoch"; ebenso die durchschnittlichen Reisekosten mit 81.000 Euro pro Jahr. Die Anzahl von Noevers Reisen und die damit verbundenen Kosten entsprachen angesichts der in den Kuratoriumssitzungen oftmals erwähnten angespannten finanziellen Situation des Mak "nicht dem Grundsatz der Sparsamkeit". 2007 verrechnete Peter Noever in Los Angeles tatsächlich 58 Flaschen alkoholischer Getränke - für nur acht Personen.

Noever ließ Dateien löschen

In den Jahren 2000 bis 2009 fanden im Mak zehn Geburtstagsfeiern für Noevers Mutter und im Jahr 2002 auch eine Geburtstagsfeier für Noever statt. Im Herbst 2010, als die Partys bereits Gesprächsthema waren, wies Noever eine Mitarbeiterin an, ihm sämtliche Unterlagen zu den Geburtstagsfeiern zu übergeben und die entsprechenden Dateien im IT-System zu löschen. Das Mak verrechnete weder Noever noch seiner Mutter die Aufwendungen und die Miete für die Geburtstagsfeiern in Höhe von 172.000 Euro.

Die Aufwendungen des Mak von rund 11.000 Euro, die im Zusammenhang mit dem 2008 veröffentlichten Buch über Noever entstanden, waren im Verhältnis zu den bisher erzielten Erlösen von 385 Euro - es wurden lediglich elf Exemplare verkauft - "sehr hoch".

Was noch auffiel: Die Aufwendungen für das Jahrespersonal stiegen von 2001 bis 2010 um 37,4 Prozent. Sie stiegen am stärksten in den Bereichen Ausstellung (um 190 Prozent), Repro/Foto (um 175 Prozent), Design Shop (um 66,7 Prozent) sowie Direktion (um 58,1 Prozent). Die Aufwendungen für den Bereich Wissenschaft stiegen aber nur um 14,1 Prozent.

Das Verhältnis der Aus- und Fortbildungsaktivitäten der unterschiedlichen Funktionsbereiche war unausgewogen: Rund 91,8 Prozent fielen in den Bereichen Direktion, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung an; der Anteil des Bereichs Wissenschaft betrug nur 1,6 Prozent. In sechs von zehn Jahren fand im Bereich Wissenschaft keine Aus- und Fortbildung statt.

Für das Jahr 2010 meldete das Mak 186.000 Besucher des Hauptgebäudes; davon besuchten allerdings nur 52,6 Prozent Ausstellungen; der große Rest waren Besucher von Vermietungen, Bibliotheksbenützer und hausfremde Personen, die das Mak über den Personaleingang betraten.

Der mächtige Pick-up des Mak war nach Ansicht der Kustoden für den Transport von Kunstobjekten nicht geeignet, verursachte aber u. a. wegen seines Verbrauchs von 31 Litern pro 100 Kilometer hohe Aufwendungen, im Jahr 2010 etwa in der Höhe von 67.000 Euro. Die Kosten pro gefahrenem Kilometer lagen bei sieben Euro.

Obwohl in den Depots des Mak ausreichend Platz vorhanden war, lagerte das Mak zahlreiche Objekte der Gegenwartskunst, aber auch Leerkisten und Kataloge in zwei Depots einer Kunstspedition und zahlte dafür von 2001 bis 2010 insgesamt 363.800 Euro an Miete.

Die Grünen fühlen sich in ihrer Kritik an Noever bestätigt. Laut ZiB1 sagte Noever, der Rechnungshof wisse nicht, wie man ein Museum führe. Die Feste für seine Mutter würde er heute nicht mehr machen, aber sie hätten Sponsoren gebracht. Zur APA sagte Noever, er sei immer "der Maxime der Sparsamkeit gefolgt". Sein Nachfolger, Christoph Thun-Hohenstein, hingegen sagte dem Standard, er nehme die Kritik des RH ernst: "Wir haben die Umsetzung vieler Empfehlungen in Angriff genommen." (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 12.3.2013)

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Die Staatsanwaltschaft hat sämtliche strittigen Punkte ad acta gelegt, „ohne weitere Konsequenzen eingestellt".

http://www.news.at/a/peter-n... dert-recht

Die Agnes und die Herren Noever, Matt, Seipel, Schröder

Profilierungsneurotiker mit perfidem Hang zur Selbstdarstellung.
Speziell beim Schröder hab ich jedesmal den Eindruck, dass er den zugegeben wunderschönen Umbau, aus eigener Tasche bezahlt hat und die Albertina sich in seinem Privatbesitz befindet.

davon leben manche ein Leben lang

Lustig finde ich ja die Onlinepetition diverser Künstler, Galeristen und Kuratoren zur Verteidigung Noevers.
Etwas schleimigeres habe ich selten zuvor gelesen.
Wie kann man sich nur so schamlos anbiedern?
http://www.propeternoever.at/

Schlussstrich - jawoll!

Am Besten gefällt mir der Kommentar von Andreas Treichl (nachzulesen im derstandard.at vom 11.3.), dem Vorsitzenden des Kuratoriums des MAK! Wie lange ist er Kuratoriumsvorsitzender? Hat er nicht die finanziellen Ausritte des außer Rand und Band geratenen Direktors viele Jahre mitgetragen, stillschweigend toleriert oder gar mitgenippt an den 58 oder mehr Weinflascherln, die in LA konsumiert wurden? Wo bleibt die Kontrollfunktion des Kuratoriums? oder ist das eher so ein Geselligkeitsverein, der sich bei den eleganten Previews zwischen Fingerfood und perlendem Champagner kunstfreundlich gibt?
Oder soll man es einfach nur Chuzpe nennen, was Herr Treichl von sich gibt???

Sie sprechen das strukturelle Grundproblem der Aufsichtsräte an. Nur nirgends anecken, denn es könnte ja ein Freund des zu Kontrollierenden in einem Aufsichtrat sitzen, der mir schaden kann!

so!

...und jetzt bitte die Albertina genauso kritisch prüfen!

aber gerne!

Wir unterstützen das Anliegen von chris xian einer kritischen Albertina-Überprüfung - wir sind sicher, dass sich auch beim Zerstörer der Albertina (als Gebäude und Institution), der sich seit Jahren bei Eröffnungen bevorzugt als roi soleil der Albertina oder noch besser als direkter Nachfahre des Albrecht von Sachsen-Teschen präsentiert, Dreck unter den Fingernägeln angesammelt hat.
Lieber Rechnungshof warte bitte nicht, bis der Direktor eh schon pensionsreif ist (siehe Noever), sondern prüfe JETZT!!!

Ich hoffe nicht, daß es in der Albertina genauso zugegangen ist, unterstütze allerdings das Prüfungsbegehren!

weil ?

haben S' irgendeinen begründeten Verdacht ?
oder sind S' nur ein Noever-Fan ?

versteht das denn keiner?

wenn man schon mal in so einer position ist _ dann muss man doch was tun fuer seine freunde! ;)

Gebrauch machen

vom sozialdemokratischen Grundrecht nennen die alten Sozialisten das! Zulangen, wo es geht, straffrei ausgehen, weil kollektive Selbstbereicherung sobald man am Napf ist und kuschen, das war schon immer so. Und niemanden anpatzen, man hat ja selbst Dreck am Stecken. Wo ist die Justiz wiederinmal?

Aus welcher Ecke das kommt, ist offemnsichtlich.

Noever hat sich ja schon...

früher für Schmied engagiert:

http://www.oe24.at/oesterrei... fen/293313

Das MAK war vor seiner gestalterischen Neudefinition ein "naturhistorisches" Museum, heute kann es international gut mithalten.

Schade das Peter Noever hier nur über seine Ausritte definiert wird.

statt angewandter kunst

wurde aber meistens bildende kunst ausgestellt.

also eine art perpetuierte themenerfehlung.

Das Noever anfangs auch Innovationen gesetzt hat, will ich gerne glauben. Nunmehr steht zur Debatte, daß er mehr als die Hälfte der Zeit im Stile von Feudalherren abgeräumt hat.

Der Zweck heiligt die Mittel?

Ernsthaft?

Im Direktorsgwand am Büffet abräumen was in die Taschen geht ist oberpeinlich. Schlimm dass das über Jahre möglich war. Wieder eine Strukturschwäche von hunderten in diesem Land.

Lieber Standard,

entweder "Kritik AN" oder "Vorwürfe GEGEN".
Ich bin so kleinlich, weil mich die Sache selber so ärgert. Jahrelang hat da einer das System ausgenutzt, und wir haben nichts gemerkt (oder nur hinter vorgehaltener Hand darüber getuschelt). Irgendwie habe ich das Gefühl, am System Österreich sind wir selber Schuld. Sagt einer was, ist er ein Querulant (oder, ganz beliebt, ein Neidhammel).

Aktuelles Wetter in Los Angeles:

58 Krügel im Schatten

Noever kann sich im Zuge seiner »Earth Art«-Aktionen gleich selbst eingraben.

noever?

ein sauteurer clown.

ein Pick-Up,

der 31 Liter auf 100 km verbraucht????

War das ein Panzer?

So was ähnliches, nur hässlicher ;-)

Ein Dodge Ram, DAS Auto für Männer, die wirklich viel zu kompensieren haben ;-)

Bin dem ein paar mal in Wien begegnet, selten unpraktisch für die Stadt, selten unpraktisch, um Kunstwerke zu transportieren, zwar hinten nicht offen, aber trotz Riesenauto dann wieder kleiner Kofferraum, noch dazu hoch oben. Komplett schwarz, mit (glaube) gelbem MAK Schriftzug auf den Türen.

Geltungstriebwagen der reinsten Ausprägung...

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