Die "Sneak Preview" auf eine reale Marsmission

16. März 2013, 18:02
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Heimische Raumanzüge bei Mars-Mission in Marokko unter Dauerbelastung getestet

Innsbruck - Ende Februar ging die bisher größte Simulation einer Weltraum-Mission zum Mars unter europäischer Leitung zu Ende. Knapp drei Wochen lang hatten Forscher aus 23 Nationen den Test in der marokkanischen Sahara durchgeführt. Federführend an der "Marokko Mars Simulation 2013" (Mars2013) beteiligt war auch das Österreichische Weltraumforum (ÖWF).

Mit einem siebenköpfigen Team testeten die heimischen Wissenschafter vor allem die Raumanzüge "Aouda.X" und "Aouda.S" im Dauerbetrieb. "Wir haben eine 'Sneak Preview' auf eine reale Marsmission bekommen", so der Leiter der Expedition, Gernot Grömer, im Gespräch. Erste Analysen der Mission werden im Mai im Rahmen einer Konferenz in Wien präsentiert.

"Unglaublich anstrengend und erfüllend"

Für Grömer war die Zeit in Marokko "unglaublich anstrengend und erfüllend. Im Raumanzug, bei Sonnenuntergang in der Sahara zu stehen, während vor einem gerade zwei Mars-Rover operieren, von denen einer von Budapest und einer von Warschau aus gesteuert wird und man selbst von Innsbruck aus zeitverzögert dirigiert wird und gleichzeitig eine aus Neuseeland kommende Stimme in Ohr hat, ist schon etwas Beeindruckendes."

Ein Konvoi aus Ärzten, Wissenschaftern, Technikern und Testern war bereits Ende Jänner mit sechs Tonnen Ausrüstung von der Meeresküste über das Atlasgebirge und dann querfeldein in die nördliche Sahara gereist, wo das österreichische "Camp Weyprecht" aufgeschlagen wurde. Im Großen und Ganzen sei alles nach Plan verlaufen, erklärte der Astrophysiker und Vorstand des ÖWF. Nun sei man froh, dass alle Mitarbeiter und die Hardware wieder gut in Österreich angekommen sind.

Nun folgt die Datenanalyse

Im Zuge der Simulation führten die heimischen Forscher 17 wissenschaftliche Experimente durch. Vom "Mission Support Center" in Innsbruck aus wurde etwa die virtuelle Landung auf dem Roten Planeten koordiniert. Grömer: "Jetzt fängt die wissenschaftliche Erntearbeit an. Wir gehen in die Analysephase hinein und schauen uns die Gigabytes an Daten an." Gleichzeitig starten auch die internationalen Teams ihre Analysen.

"Einer der Gründe, warum wir 'Marsanalogforschung' machen, ist, dass wir einen Eindruck über die Vollständigkeit unserer Forschungstätigkeit bekommen. Sprich: Haben wir die richtigen Geräte und Arbeitsabläufe, suchen wir an den richtigen Stellen?" Bei der Wiener Konferenz im Mai sollte dann klar sein, "ob wir Leben in Marokko entdeckt haben", so Grömer. Das Hauptaugenmerk der ganzen Mission lag auf der Suche nach kleinsten Spuren fossilen Lebens in der Sahara, denn genau darum würde es auch auf dem Mars gehen.

Raumanzüge unter Dauerbelastung getestet

Die von den heimischen Forschern entwickelten, etwa 45 Kilogramm schweren Raumanzüge hätten sich auch unter Dauerbelastung bewährt. "Es macht einen großen Unterschied aus, ob ich damit für zwei Stunden auf den Universitätsparkplatz gehe, oder das Ding praktisch täglich über mehrere Stunden einen Monat lang im Einsatz habe. Letzten Endes geht es um die Frage, welche Schrauben und Nähte zuerst aufgehen", so der Expeditionsleiter.

Man habe nun in dem Bereich technologisches Wissen erarbeitet, das nur wenige Forschungsgruppen weltweit hätten. Grömer: "Ich denke, wir haben Österreich damit endgültig auf die Landkarte der bemannten Marsraumfahrt gesetzt." Als Konsequenz daraus wünscht sich der ÖWF-Vorstand eine österreichische Raumfahrtagentur, die die Entwicklung in dem Bereich vorantreiben kann. "Wir wissen, wir können da etwas leisten, das in Europa einzigartig ist." (APA, 16.3.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Archivfoto zeigt Raumanzug "Aouda.X" bei einem Testeinsatz am Dachstein. Im Februar kamen die heimischen Raumanzüge täglich über mehrere Stunden in der Wüste zum Einsatz.

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